Neulich habe ich mich mal wieder mit einem Veganer über Ernährung unterhalten. Ich merke, dass ich dann schnell etwas irritiert bin, weil diese moderne Ansicht doch sehr weit von der indigenen schamanischen Sicht entfernt ist. Und doch gibt es einige Schnittpunkte. Das möchte ich in diesem Artikel beleuchten.

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Moderner Veganismus ist vor allem von dem Wunsch Tierleid zu vermeiden motiviert, und teilweise auch um die eigene Schwingung zu erhöhen. Beides kann ich sehr gut nachvollziehen und aus diesen beiden Gründen lebe ich zu 99% vegetarisch und oft auch vegan. Die moderne Massentierhaltung ist nicht von Liebe und Respekt den Tieren gegenüber geprägt, um es mal so rum zu formulieren. Und tatsächlich: Milch lässt sich nicht ohne Tierleid erzeugen. Freunde von mir haben es versucht, und es ging nicht ohne Leid. Das Kalb wird der Mutter weggenommen, und die Mutterkuh wird regelmäßig gedeckt, damit sie überhaupt Milch zur menschlichen Verwertung gibt. Schneller, als es die Natur machen würde.

Was ist  mit Pflanzenleid und Steinleid?

Aus schamanischer Sicht frage ich aber: Was ist mit Pflanzenleid? Mit Steinleid? Mit Menschenleid? Warum werden die Tiere aus der Natur separiert und bekommen eine Sonderbehandlung? Alles was existiert, ist aus den Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft gemacht und dadurch lebendig. Alles ist Teil von Pachamama – von Zeit und Raum. Sicher ist es gut, wenn ein Teil davon in Ruhe gelassen wird, bei Veganern sind es die Tiere. Da fehlt mir aber am Ende die ganzheitliche Sicht.

Kann es ein Leben ohne Leid geben?

Bei den Kogi gibt es eine Geschichte aus der Zeit als die Menschen und der Wald erschaffen wurde. In dieser Zeit war die Erde noch nicht so fest wie heute. Dennoch mussten die Menschen Häuser bauen und Feuer machen. Dazu haben sie Bäume aus dem Wald gefällt. So kam es, dass der Wald sich beim Schöpfer beschwert hat: “Die Menschen sind achtlos und fügen uns Schmerzen zu, wenn sie uns fällen!” Die Menschen konnten aber ohne Holz nicht leben. So hat der Schöpfer einen Kompromiss zwischen den Bäumen und den Menschen gefunden. Die Menschen dürfen für ihr Überleben Bäume fällen, müssen aber einen Ausgleich schaffen, indem sie den Bäumen gute Gedanken senden. Gleichzeitig erhalten die Bäume Bereiche auf der Erde, wo sie nicht von den Menschen gefällt werden dürfen.

Ich habe 2024 zusammen mit dem Kogi in der Nähe vom Bodensee erlebt, was geschieht, wenn ein Stück Wald gute Gedanken von den Menschen bekommt. Gemeinsam als Gruppe haben wir einen alten verstorbenen Baum gesegnet für sein Leben. Daraufhin änderte sich die gesamte Atmosphäre des Waldes. Es wurde heller und fröhlicher.

Dieses Beispiel soll zeigen, dass es keinen Unterschied zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und Steinen gibt. Alle können durch menschliche Handlungen Leid erfahren, was Teil des Lebens ist. Und das Heilmittel ist der Ausgleich, die guten Gedanken. In der Inka Tradition heißt der Ausgleich Ayni, was als zentraler Aspekt des Lebens angesehen wird.

Ja, das gilt auch für Steine. Ihr Denken und Fühlen ist langsamer und daher für den Menschen schwerer nachvollziehbar. Auch kennen wir ihre Funktion im Gesamtgefüge meist nicht. Hierzu habe ich eine schöne Geschichte von den Kogi. Die Kogi sahen einmal Menschen, wie sie Steine von einem Bach entfernten. Die Kogi wussten, dass diese Steine wichtig für den Bach sind. So haben sie die Menschen aufgefordert, die Steine dort zu lassen.

Ethik im Gefüge des Lebens

Die Gewaltlosigkeit ist im Yoga ein wichtiger ethischer Aspekt, der auch zur Verbreitung der veganen Lebensweise beigetragen hat. Aus dem Buddhismus ist das Mitgefühl in den Vordergrund gerückt, aus dem Christentum “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.” Im Schamanischen oder bei den indigenen Kulturen ist es die Liebe und der Respekt als Grundprinzip in der Natur.

Als Menschen brauchen wir ethische Prinzipien, weil es leicht ist, nicht-ethisch zu leben. Diese guten Prinzipien helfen uns, wieder in eine Reinheit zu kommen. Diese Reinheit ist eine Reinheit des Geistes und des Herzens. Etwas, das vollkommen nicht erreichbar ist, aber essentiell für die persönliche innere Entwicklung und das Gleichgewicht mit der Natur.

So kann man die vegane Ernährung auch als spirituelle Disziplin sehen, die eigenen Schattenseiten zu transzendieren. Im Wissen, diese Ethik und Achtsamkeit erstmal “nur” in einem Bereich zu üben.

„Wenn Nichtverletzen fest begründet ist, wird Feindschaft in der Gegenwart des Yogis aufgegeben.” So schreibt es Patanjali in seinen Yoga Sutren Kapitel 2 Vers 35. Das ist dann das fortgeschrittene Ziel.

Vegane Ernährung als Schwingungserhöhung

Die meisten schamanischen Lehrer, die ich kennengelernt habe und denen ich eine höhere Schwingung als mir attestieren würde, waren keine Veganer und keine Vegetarier. Das hat mich zu dem Schluss geführt, dass die persönliche ethische Reinheit wichtiger ist, als die Umstellung der Ernährung.

Die Kogi essen grundsätzlich auch Fleisch, aber nur sehr selten, etwa einmal im Monat. Die Weisheitshüter der Kogi, die Mamos und Sakhas, haben eine besondere Ausbildung über 9 oder 18 Jahre in der Dunkelheit. Dort essen sie zunächst in der Dunkelheit nur weiße Nahrung. In den ersten neun Jahren essen sie kein Fleisch. Das hilft, um den Geist und die Wahrnehmung rein und klar zu Behalten. In den zweiten neun Jahren nur Fleisch von wild lebenden Tieren erlaubt. So erhalten sie sich ihre tiefe Verbindung zur ursprünglichen Natur.  Erst wenn diese Verbindung fest ist, kann nach 18 Jahren auch das Fleisch von domestizierten Tieren gegessen werden. So zeigt sich hier, dass Fleisch die besonders feine Wahrnehmung beeinträchtigt. Die Kogi haben auch festgestellt, dass auch die Kinderimpfungen die Wahrnehmung beeinträchtigt. Die Reinheit ist also auf mehreren Ebenen zu betrachten. Am Anfang stehen immer die Gedanken.

Tiere oder Wasser schützen?

Ein vegan oder vegetarisch lebender Mensch, fokussiert sich besonders auf die Tiere. Das mag auch dem westlichen hierarchischem Denken geschuldet sein, wonach ein Tier mehr Bewusstsein hat, als eine Pflanze. Und eine Pflanze mehr Bewusstsein, als ein Stein. Dieses hierarchische Denken findet man im Schamanischen nicht, wie ich oben beschrieben habe. Alles ist gleich wert.

So habe ich mal überlegt, was in der indigenen Welt besonders geschützt wird. Und wenn man aus der Einheit einen Aspekt herausnehmen möchte, wird von Indigenen und Schamanen das Wasser oft als besonders heilig und schützenswert genannt. Warum das Wasser? Weil das Wasser der Anfang der Entwicklung des Lebens von Menschen, Tieren und Pflanzen ist. Menschen und Tiere entwickeln sich als Embryo im Fruchtwasser, Pflanzen brauchen Wasser zum Wachsen. Was ist, wenn das Wasser nicht rein ist? Wasser hat eine Kristall- und Informationsstruktur. Wenn diese gestört ist, wie kann sich dann gesundes Leben darin entwickeln? Andersherum kennen wir ja Wasserquellen, denen Heilwirkungen inklusive Wunder nachgesagt werden.

Wasser ist in der indigenen Wissenschaft auch das Medium, in dem aus der geistigen, feinstofflichen Welt Gedanken und Frequenzen in die Materie kommen. So sind eher die Frauen Hüter des Wassers, da sie selbst diesen Gebärprozess aus sich selbst heraus kennen.

 

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