Die Kogi Indianer – Hüter des Herzens der Erde in Kolumbien

Lesezeit: 10 Minuten

Die Kogi sind ein altes Volk, das sich von allen anderen Völkern, die ich kennengelernt habe, unterscheidet in der Tiefe des Wissen und der Weisheit, die sie vermitteln und ausstrahlen. Sie sagen von sich selbst, dass es ihnen gelungen ist, das ursprüngliche Wissen über die Zeit zu retten.  Sie selbst nennen sich die Älteren Brüder, und alle anderen Menschen sind die Jüngeren Brüder. Das ursprüngliche Wissen birgt die Gefahr in sich, verloren zu gehen. Wir Jüngeren Brüder sind schon bei der Vermittlung des ursprünglichen Wissens eingeschlafen, daher fehlen uns viele Einsichten. Die Kogi können sich noch an den ursprünglichen Schöpfungsgedanken erinnern und geben dieses Wissen von Generation zu Generation weiter.

Die Kogi sind eins von vier Völkern, die das Bergmassiv Sierra Nevada de Santa Marta im Norden von Kolumbien bewohnen. Sie sagen, dass die Bergregion, in der sie leben, das Herz der Erde ist. Dort gibt es Entsprechungen für alle Klimaregionen der Welt, Gletscher für das Eis, gemäßigtes Klima, Tropen und Küstenklima. Das Gebiet hat, auf der Landkarte betrachtet, die Form eines Herzens. Sie sagen, dass sie dort sind, seit die Erde ein Steinklumpen im All ist und sich zu dieser blaugrünen Kugel entwickelt hat, wie wir sie heute kennen.

Alle Plätze auf der Erde sind mit dem Herzen der Sierra Nevada de Santa Marta verbunden. Ihre Aufgabe ist es, Rituale an den Plätzen in der Sierra durchzuführen, um damit die entfernten Plätze zu stärken und zu hüten.

Mamos und Sakas – Die Weisheitshüter

Die Weisheitshüter der Kogi heißen Mamos (bei den Männern) und Sakas (bei den Frauen). Damit die Mamos und Sakas ihre Aufgabe gut erfüllen können, machen sie eine 9 bzw. 18-jährige Ausbildung in der Dunkelheit. Als Baby kommen einige von ihnen – Männer wie Frauen – in eine dunkle Höhle und leben bis zu ihrem 9. bzw. 18. Lebensjahr in der Dunkelheit. Als Baby kommt die Mutter noch regelmäßig zu ihnen, sie bekommen spezielle weiße Nahrung. Dabei werden sie von den Älteren betreut und ausgebildet. Erst mit 9 bzw. 18 Jahren sehen sie zum ersten Mal die Welt so wie wir. Dadurch haben sie eine enorme Wahrnehmung der energetischen Welt und wissen, mit der unmanifestierten Energie Aluna umzugehen, dass sie sich harmonisch in die Welt ergießt.

Bis in die 90er Jahre haben sie zurückgezogen in den Bergen gelebt und Berührungen mit der westlichen Welt abgelehnt, um ihre Aufgabe erfüllen zu können. Die technische Welt interessiert sie nicht. Sie sehen, was wir machen, aber es beeindruckt sie nicht. Nach langen Diskussionen und Beratungen untereinander, haben sie entschieden, sehr wenige Dinge wie die Hacke und die Zuckerrohrpresse als Werkzeuge für sich anzunehmen.

Die Warnung an die Welt

Im Jahre 1990 haben die Kogi durch den BBC-Reporter Alan Ereira einen Film drehen lassen, der uns Jüngere Brüder davor warnen soll, dass das Leben auf der Erde in Gefahr ist. Wir haben die Erde durch Abbau von Erzen und Erdöl soweit geschwächt, dass das Leben als Ganzes in Gefahr ist[1]. Dieser Film hat die Westler nicht erreicht.

Daher haben sie Alan Ereira 2012 erneut in das Land hineingelassen, um einen zweiten Film zu drehen („Aluna“). Dort wird genauer erklärt, wie wir Westler die Erde zerstören und dass es Zeit wird, damit aufzuhören, weil die Ursprungsgebiete von Pflanzen und Tieren zerstört werden. Jedes Tier und jede Pflanze hat nach den Kogi ein Ursprungsgebiet, wo die Ur-Information, der Ur-Gedanke der Tierart und der Pflanzenart gespeichert ist. Die Kogi haben festgestellt, dass wir dabei sind, diese Gebiete zu zerstören. Solange es diese Ursprungsgebiete noch gibt, kann sich eine „ausgestorbene“ Tier- oder Pflanzenart wieder erholen. Wenn die Pflanzen- oder Tierart ausstirbt und das Ursprungsgebiet ist zerstört, ist sie für immer verloren.

Außerdem wird durch die Zerstörung der Küstenlinie am Fuße der Sierra Madre de Santa Marta für Häfen und Industrie sowie die Austrocknung der Mangroven auch die Austrocknung des Landesinneren vorangetrieben. Die Gletscher in den Hochlagen bekommen weniger Wasser, die Flüsse und Bäche in den Bergen trocknen aus. So wird durch die relativ kleine Zerstörung an der Küste die Stabilität des gesamten Bergmassivs der Sierra Nevada de Santa Marta und damit des Herzens der Erde gefährdet.

Die Kogi in Deutschland

2014 haben sie entschieden, weiter Kontakt aufzunehmen, diesmal mit einem Kaffeeprojekt. In ihrem Gebiet wachsen wilde Kaffeebohnen, die von ehemaligen Siedlern und Kaffeebauern hinterlassen wurden. Nach ausgiebigen Beratungen haben sie beschlossen, dieses Geschenk des Schöpfers als eingewanderte, verwilderte Pflanze ohne spezielle Kultivierung mit der Hand zu ernten und schonend „mit guten Gedanken“ auf allen Stationen zu verarbeiten. Dieser Kaffee wird seit 2015 nach Deutschland verkauft. Mit dem Erlös werden Gebiete in der Sierra zurückgekauft, auf denen sich heilige Plätze befinden, die wichtig für das Hüten des Herzens der Erde sind.

Mama José Gabriel 2015 in Eberswalde bei Berlin

Auf seiner Reise nach Deutschland 2014 und 2015 habe ich Mama José Gabriel Alimaki, ein Mamo der Kogi, kennengelernt.

Schon in 2013 lernte ich einen Kogi (Mama Luntana) über ein Webinar vom Centre of Sacred Studies aus den USA kennen, der tiefes Wissen über die Lebenskraft auf dem Planeten vermittelt hat. Später erfuhr ich, dass Mama Luntana 2015 das Humboldtforum in Berlin besucht hat, die einen wichtigen heiligen Gegenstand der Kogi in ihrer Sammlung haben. Dieser Gegenstand kam vor rund 100 Jahren von Kolumbien nach Deutschland. Er hat eine besondere Bedeutung für die Kogi, weil nur mit diesem Gegenstand ein Ritual zur Wiederherstellung eines bestimmten Gleichgewichts gemacht werden kann[2].

So war ich neugierig, nun so hohem Besuch aus Kolumbien in Frankfurt zu begegnen, und wunderte mich, dass dieses Volk, das sich nicht von westlicher Lebensweise hat beeinflussen lassen, sich nun auf den Weg nach Europa macht.

Mama José Gabriel wollte wissen, ob es in Deutschland auch „Indigene“ gibt, Menschen, die noch die Grundprinzipien des Lebens und des Kosmos verstehen. In einem Wochenendseminar in Frankfurt hat er uns gefragt, wie wir heilen. Von den Anwesenden hat jemand Osteopathie vorgestellt, Familienstellen und eine energetische Sitzung wurde gezeigt. Daraufhin meinte Mama José Gabriel, dass wir doch viel wüssten und es nur noch wichtig sei, dass wir uns untereinander austauschen.

Mama José Gabriel hat in Deutschland heilige Plätze besucht, weil in der Sierra sichtbar wurde, dass von einigen heiligen Plätze in der Welt, für die sie Rituale gemacht haben, keine Antwort mehr zurück kam. Bei Besuchen des Ammersees oder des Altkönigs bei Frankfurt hat Mama José Gabriel festgestellt, dass diese Plätze mehr Ruhe brauchen und Menschen sich besser von diesen Orten fernhalten sollten.

“Der Bach ist tot”

Besonders beeindruckt hat mich beim Treffen gut ein Jahr später im Forstbotanischen Garten Eberswalde bei Berlin das weitere Eintauchen in die Ansichten der Kogi. Für mich war der Forstbotanische Garten ein Stück Natur mit angepflanztem Wald und somit viel gesünder und natürlicher als das Stadtleben. An einem kleinen Bach, auf dem ein kleiner Ölfleck zu sehen war, ist Mama José Gabriel stehengeblieben und hat ein paar Gebete gesprochen. Mit sehr trauriger Miene sagte er, der Bach sei tot und könne nicht mehr gerettet werden. Mir ist dabei bewusst geworden, dass das, was wir in Deutschland Natur nennen, in Wirklichkeit kultiviertes Land ist. Die Wälder sind fast wie Plantagen, und so ziemlich jeder Quadratmeter in Deutschland ist bearbeitet und vom Menschen verändert. Ursprüngliche Natur, wie sie wie von alleine wachsen würde, habe ich in Deutschland nie gesehen.

Oliver Driver, den Organisator des Kaffeeprojekts in Deutschland, der auch schon ein paar Mal bei den Kogi war, meinte auf meine Frage, wie die Natur denn bei den Kogi sei, er könne das nicht mit Worten beschreiben, weil es derart anders sei, als alles was wir hier kennen.

Noch ein Buch über die Kogi – eine zukunftsweisende Vision

Eben weil es so schwer ist, die Ansichten und Einsichten der Kogi zu vermitteln, und wir Jüngeren Brüder so gerne Bücher lesen, haben sie Lucas Buchholz, den Übersetzer der Kogi in Frankfurt und auf weiteren Stationen der Deutschlandreise, eingeladen, ein Buch für sie zu schreiben. Dieses Buch macht die Ansichten der Kogi noch verständlicher, als es Alan Ereira und Eric Julien schon gelungen war.

Die Kogi beschreiben, wie sie durch ihr jahrelanges Training in der Dunkelheit jeden Gedanken zu ihrem Ursprung verfolgen können. Als wir Mama José Gabriel in Berlin getroffen haben, sollten wir, bevor wir miteinander sprechen, zunächst unsere negativen Gedanken in ein Taschentuch pusten. Es ist für ein Zusammenkommen auf schamanische Art nicht ungewöhnlich, sich durch Räuchern oder andere Maßnahmen geistig zu reinigen. Ein bisschen gewundert hat es mich, dass Mama José Gabriel sagte, er würde die Taschentücher einsammeln und nach Kolumbien bringen um unsere Gedanken zu analysieren und dann zu den heiligen Plätzen gehen.

Durch das Buch von Lucas Buchholz weiß ich jetzt, dass sie das tatsächlich getan haben. Für sie ist selbstverständlich, was auch Yogameister erkannt haben: Nämlich dass Gedanken feste Formen sind, wenn auch auf einer feinstofflichen Ebene. So kann man die Gedanken transportieren und sie später untersuchen. Die Kogi kennen dazu den Ursprung der Gedanken und können die Gedanken dorthin zurückbringen, und damit aus der Welt schaffen, im wahrsten Sinne des Wortes.

In der Kultur der Kogi dürfen andere Menschen nicht kritisiert werden. Insofern sind die Hinweise, die die Kogi uns geben, dezent und erklärend, jedoch scheint die Dringlichkeit der Situation auf der Erde zu erfordern, uns wirklich zu einem Umdenken zu bewegen und unser Handeln in Einklang mit der kosmischen Ordnung zu bringen. Wir sollen nicht so werden wie die Kogi, auch nicht unseren Umgang mit dem Materiellen aufgeben, wo wir so viel Wissen angesammelt haben. Im Einklang mit der kosmischen Ordnung heißt nicht „zurück in die Steinzeit“.

Das Lebendige ehren

Für den Anfang betonen die Kogi, dass wir wieder das Lebendige ehren sollen. Das Lebendige ehren heißt so vieles gleichzeitig: lieber frisches Bio Gemüse essen als Tiefkühlpizza, lieber den Körper beweglich halten, um im Auto den Schulterblick mit Leichtigkeit praktizieren zu können, als sich auf eine Rückfahrkamera zu verlassen, positive Gedanken zu pflegen, die natürlichen Selbstheilungskräfte zu fördern, die Natur auch sich selbst zu überlassen, nur das Notwendige aus der Natur entnehmen, Tieren mit Achtung zu begegnen und Ausgleich zu schaffen, wenn ein Tier für uns stirbt. All dies Wissen ist da und will umgesetzt werden.

Eindringlich warnen uns die Kogi immer wieder, auf den Abbau von Erzen und Mineralöl zu verzichten und aufzuhören, Wasser zu verschmutzen und Gewässer trockenzulegen. Das fällt uns am schwersten im Moment, wo einige Menschen glauben, durch weiteren Abbau von Seltenen Erden für Elektroautos und Computersysteme für noch mehr Bereiche des Lebens könne das Leben an Qualität gewinnen. Für die Kogi ist das Gegenteil der Fall: die Erde ist am Limit der Belastbarkeit, was den Abbau von Erzen und Mineralöl angeht.

Wie soll das gehen, dass wir weiter materialistisch tätig sind und dabei auf den Abbau von Erzen und Mineralöl verzichten? Lucas Buchholz findet auch hier Ansätze, die weit über das hinaus gehen, was wir bisher als nachhaltig bezeichnet haben. Die Idee ist genauer von der Natur zu lernen. Es gibt keine 800 Meter hohen Pflanzen, die das Baumaterial von weither beschaffen und dort Zerstörung hinterlassen. Die Natur schafft Dinge, die aufeinander aufbauen, sich aber auch gegenseitig ergänzen. Ein ungehindertes Wachstum wird vermieden, so dass die Summe der Dinge im Gleichgewicht ist und im Idealfall die Lebendigkeit des gesamten Systems erhöht. In der Biomimetik findet sich dieser Ansatz.

Die Kogi wollen weiter mit uns in Kontakt bleiben und uns helfen, wieder im Gleichgewicht mit der Natur zu leben. Hierzu soll in Deutschland über Lucas Buchholz eine Akademie gegründet werden.

 

[1] Dieser Film ist in voller Länge auf Youtube zu sehen: From The Heart Of The World – The Elder Brothers Warning, https://youtu.be/hRgTtrQOiR0 am 21.12.2019

[2] 3sat Reportage vom 05.12.2015: Die Indianer kommen! https://www.3sat.de/kultur/kultur-in-3sat/die-indianer-kommen-berliner-schloss-humboldtforum-soll-ein-100.html am 21.12.2019

 

Videos über die Kogi

From The Heart Of The World – The Elder Brothers Warning, 1990

Video Thumbnail
From the Heart of the World: The Elder Brothers' Warning - Kogi Message to Humanity
From the Heart of the World: The Elder Brothers' Warning - Kogi Message to Humanity - youtube Video

von Alan Ereira

3sat Reportage vom 05.12.2015: Die Indianer kommen!

Video Thumbnail
Die Kogi (die Hüter der Erde)
Die Kogi (die Hüter der Erde) - youtube Video

Dieses Video ist ein Teil der 3sat Reportage. Vollständig verfügbar bis 13.12.2021 unter https://www.3sat.de/kultur/kultur-in-3sat/die-indianer-kommen-berliner-schloss-humboldtforum-soll-ein-100.html

Bücher über die Kogi

Lucas Buchholz: Kogi - Wie ein Naturvolk unsere Kultur inspiriert, 2019
Diesmal wenden die Kogi sich an uns um noch genauer ihre Weltsicht zu erläutern. Hierzu haben sie Lucas Buchholz eingeladen. Lucas ist es gelungen die Anregungen und Warnungen der Kogi anschaulich und pragmatisch umsetzbar zu machen (Amazon / Urwaldkaffee.de)

Alan Ereira:  Aluna: Jedes Leben hat eine Bestimmung (DVD), 2016
(Amazon / Urwaldkaffee.de)

Éric Julien: Der Weg der neun Welten: Die Kogi-Indianer und Ihr Urwissen vom Leben im Einklang mit Himmel und Erde, 2. Auflage 2018
(Amazon / Urwaldkaffee.de)

Alan Ereira: Die großen Brüder, 1993
(Amazon)