Inka Schamanismus – Das alte Wissen der Q’eros

 

Das Wissen der Q’eros über die spirituelle Tradition der Inka

Die Q’eros leben abgelegen in den Hochanden von Peru am heiligen Berg Ausangate. Aufgrund der Abgelegenheit konnte hier das spirituelle Wissen der Inka und darüber hinaus bewahrt werden. Heute wird uns dieses Wissen wieder zugänglich und ist aktueller den je. Denn wir haben das Leben im Einklang mit den kosmischen Gesetzen verloren. Diese Leben im Wissen um die Harmonie im Universum wird dort in Einfachheit und Bescheidenheit gelebt.

Uku Pacha – Untere Welt

Uku Pacha heißt auf Quechua, der alten Sprache der Inka, Untere Welt. “Hast du jemals eine Schlange gesehen mit alter runzliger Haut?” Das fragt der Q’ero Lehrer Antonio seinen Schüler Jorge Luis Delgado. “Du wirst niemals eine alte Schlange sehen, weil die Schlange immer ihre Haut abstreift.” Die Schlange ist das Symbol für die Untere Welt und lehrt uns, dass wir unsere Häute von Schmerz, Angst, Sorge und Schuld abstreifen können wie sie. Das ist die Kraft der Unteren Welt. Mutter Erde ist immer bereit uns zu helfen, die schwere Energie abzugeben. In Aymara, der alten Sprache in der Titicaca-Region heißt die Untere Welt “Mancca Pacha” – Mancca heißt “Essen”. Mutter Erde “isst” die schwere Energie. Die Erde kann jede schwere Energie transformieren, nichts ist zu schwer für sie. Mutter Erde nimmt die schwere Energie und verwandelt sie in wunderschöne Kristalle.

Diese Transformationskraft ist nur ein Aspekt der Unteren Welt, ein Aspekt, der für unseren Alltag besonders wichtig ist. Juan Nunez del Prado betont immer wieder, dass wir keine Angst haben müssen, dass wir die Erde mit unseren Emotionen oder unserer Negativität verschmutzen. Sie kann unsere Emotionen und Gedanken mit Leichtigkeit verdauen und für sie sind unsere schwere Energie Nahrung. Wir können uns sogar vorstellen, dass sie die schwere Energie aus uns heraussaugt. Im Gegenzug gibt sie uns ihre leichte Energie, die uns nährt und stärkt (Übung Saminchakuy und Saywachakuy).

In den oberen Schichten der Unteren Welt geht auch unsere Energie wenn wir uns erschrecken oder etwas traumatisches Erleben. In der Inka Tradition spricht man von Susto (Seelenverlust). Viele Paqos (Schamanen der Inka Tradition) sind auf Susto spezialisiert, wie Don Sebastian Samata Lunasco oder Don Humberto Soncco und seine Frau Dona Bernadina († 2018).

In der Unteren Welt gibt es viele Energien oder Wesen. So gibt es zum Beispiel Energien, die die Adern von Gold und Silber bewachen. Diese Wächter sind besonders hungrig und durstig. So ist es wichtig, diesen Wächtern viele Gaben in Form von Despachos oder Koka-Blättern anzubieten, damit wir Menschen mit ihnen in Harmonie leben. Das erinnert mich an die Ehrung der Zwerge in unserer Unterwelt, die die Schätze der Erde hüten und uns durchaus unersättlich erscheinen. Juan Nunez del Prado sagt über diese Wesen, dass sie nicht um den Wert von Dingen wissen.

Kay Pacha – Mittlere Welt

Kay Pacha heißt auf Quechua, der alten Sprache der Inka, Mittlere Welt. Die Mittlere Welt ist die Welt in der wir leben, die Welt unserer Erfahrungen. Antonio sagt, es ist die Welt in der wir uns erinnern “wer wir sind”. In der Mittleren Welt erfahren wir unsere schwere Energie (Sorgen und Ängste), unsere Gaben und unsere Essenz, von der wir stammen. In der Inkatradition ist die Sonne unser Vater, wir sind Kinder der Sonne. Das heißt unser Ursprung ist das Licht. Und alles was vom Licht kommt ist lebendig. Alles lebendige hat eine Vibration. Je nachdem wie dicht die Vibration ist, zeigt sich eine andere Dichte der Realität. So gibt es unterschiedliche Welten in der Mittleren Welt, die ineinander verwoben sind. Damit einher geht die Erkenntnis, dass alles in dieser Realität eins ist in ihrer Essenz.
Daher sind wir nicht auf der Erde uns zu verurteilen, sondern unsere Gaben und Träume in dieser Realität zu verwirklichen. Damit wir das tun können, ist es wichtig die schwere Energie abzugeben. 

Wenn wir erkannt haben, wer wir sind, erkennen wir, dass wir eins mit dem Kosmos sind.

Das Symboltier für diese Welt ist der Puma. Der Puma hat viele Bedeutungen. Eine der großen Lehren des Puma ist, dass es das Tier mit dem kleinsten Ego ist. Der Puma hat keinen Wunsch, gesehen zu werden. Er tut, was nötig ist für sein Überleben und sucht nicht die Aufmerksamkeit von anderen. Man sieht den Puma nicht, sondern nur das Ergebnis dessen wo er war. 

Der Puma steht auch für den spirituellen Weg. Der Puma ist ein Krieger. Der Puma hat Balance. Der Puma hat eine Absicht. Der Puma ist allein unterwegs. Viele Menschen, die jetzt zu Beginn des neuen Zeitalters geboren wurden, sind Puma Runas – Puma Menschen. Krieger des Lichts, die zu Zeremonien zusammenkommen, zusammen beten, aber die meiste Arbeit für sich im Inneren machen. Die schwere Energie kann nur jeder für sich abgeben. So ist in jedem von uns ein Puma Runa.

In der Kay Pacha müssen wir lernen nach den kosmischen Gesetzen zu leben.

Hanaq Pacha – Obere Welt

Hanaq Pacha oder Hanan Pacha heißt auf Quechua, der alten Sprache der Inka, Obere Welt. Es gibt mehrere Obere Welten, eine davon ist die Welt des Lichts, des Göttlichen. Das Symbol für diese Welt ist der Kondor. Con ist die göttliche Kraft als Lichtenergie. Der Kondor ist der Mittler des Kosmos, der die Realität des Lichts mit dieser Realität, der Kay Pacha verbindet. 

Die Apukunas (Spirits der Berge) befinden sich in der vielschichtigen Oberen Welt ebenso wie Jesus, die Engel und die Heiligen aus der christlichen Tradition. Daher fiel es den Inka nicht schwer die christlichen Vorstellungen in ihr Weltbild zu übernehmen.

Antonio, der Lehrer von Jorge Luis Dalgado sagt, dass man Zugang zur Oberen Welt bekommt, wenn man sein Herz öffnet. Das Herz öffnet sich, wenn man Ayni mit allen Menschen und der Natur praktiziert, d.h im Gleichgewicht von Geben und Nehmen ist.

Apus – die Spirits der Berge

Für die Bewohner der Anden sind die Apus oder Apukunas die wichtigsten Vertreter der Lichtwesen aus der oberen Welt. Apus leben in den Bergen und die Menschen sprechen täglich mit ihnen. Sie sind eine Brücke zwischen der Mittleren Welt und der Oberen Welt. Die Mensch, Tiere, Pflanzen und Mineralien um einen Berg stehen unter dem Schutz eines Apus.  Allerdings kann ein Apu mit jedem Menschen arbeiten, egal ob er in der Nähe oder Ferne ist. Sobald ein Apu gerufen wird, entsteht eine Verbindung. für die Menschen der Anden ist es wichtig, in Harmonie mit den Apus zu leben. 

Die Apus sind wie die Ahnen, wie weise Großväter sorgen sie für die Menschen und wollen uns über den Kosmos lehren. Julian Sasari bemerkte einmal, dass die Berge die ersten Menschen auf der Erde behütet haben. Denn die ersten Menschen lebten in Höhlen in der Bergen. Die Beziehung der Menschen zu den Bergen ist uralt. 

Die meisten Apus in den Anden sind männlich, es gibt aber auch weibliche Apus.

Teqse Apus – universelle Apus
Neben den Spirits der Berge in den Anden gibt es auch universelle Apus, die überall auf der Erde verfügbar sind. Hierzu zählen laut Juan Nunez del Prado der Wind, die Sonne, das Wasser, die Erde, Jesus und Maria. Diese werden oft in die Anrufungen der Paqos einbezogen.

Die drei Pfade in der Inka Tradition – Munay, Llankay, Jachay

Die drei Pfade als kosmisches Gesetz werden seit der frühesten Zeit weitergegeben. Munay ist der Weg der Liebe, die Liebe für alles was uns umgibt. Llankay ist der Dienst oder die Tat in dieser Realität als eine Segnung unseres individuellen Ausdrucks. Jachay ist Weisheit, die Öffnung des Herzens für das Verständnis des Kosmos. Munay ist der mittlere Pfad, Llankay der linke Pfad, Jachay der rechte Pfad.

Juan Nunez del Prado hat Lehrer auf allen drei Wegen gehabt. Sein Hauptlehrer Don Benito Qoriwaman war Meister von Jachay, dem rechten Pfad, Don Andres Espinoza Meister von Munay auf dem mittleren Pfad, Don Melchor Deza sein Lehrer auf dem linken Pfad, dem Pfad von Llankay.

Ein kleiner Videoeindruck der Inka-Tradition mit Cameron Diaz und Puma Singona

Auch Cameron Diaz ist von der Liebe und Tiefe der Zeremonien der Qeros in ihrer Seele berührt. Mit Despacho und beeindruckenden Einblicken in Machu Picchu, 2011

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The Lovely Cameron Diaz Travels to Peru to Meet with Andean Shaman
The Lovely Cameron Diaz Travels to Peru to Meet with Andean Shaman - youtube Video

Bücher über den Inka Schamanismus

Alberto Villoldo: Das geheime Wissen der Schamanen. Wie wir uns selbst und andere mit Energiemedizin heilen können. 2001 (Amazon)
Nach wie vor der Klassiker wenn es um Heilung des Energiefeldes und Reinigung der Chakren geht. Alberto Villoldo erklärt die Techniken und berichtet von den Begegnungen mit seinen Inka Lehrern.

Alberto Villoldo: Seelenrückholung: Die Vergangenheit schamanistisch erkunden - Die Zukunft heilen, 2006 (Amazon)
Die Erweiterung von "Das geheime Wissen der Schamanen" um die Technik der Seelenrückholung, die eine wichtige Rolle im Inka Schamanismus spielt.

Jennie Appel und Hans-Martin Beck: Das spirituelle Wissen der Inkas: Lebendige Weisheitslehre und Heilkunst der Anden, 2015 (Amazon)
Eine kompetente Einführung in das Weltbild der Q'ero/Inka mit den Grundübungen der Tradition wie sie von Juan Nunez del Prado weitergegeben wird.

Naupany Puma:  PACHAKÚTEC II – Die Rückkehr des Lichts, Visionen für eine Neue Zeit, 2013 (Amazon)
Das Buch zum Film. Der Inka Sonnenpriester Naupany Puma berichtet über sein Leben, der Zeit des Wandels und seine drei Initiationsreisen.

 

Jorge Luis Delgado: Andean Awakening: An Inca Guide to Mystical Peru, 2016 (Amazon)
Über den spirituellen Weg von Jorge Luis Delgado in der Tradition der Yatiris am Titicacasee und der Q'eros in den Anden. Dabei wird eine Einführung in die Grundbegriffe der Tradition gegeben und viele Hintergrundinfos zu heiligen Plätzen in Peru.

 

Anton Ponce de Leon PaivaDie Sonnenbruderschaft, 1997
Ein interessantes kleines Büchlein über eine Inka-Einweihung
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