Sehr erfreut habe ich aufgenommen, dass die Kogi 2022 zu uns kommen, auf eine Rundreise nach Deutschland, in die Schweiz, nach Österreich und Schweden. Rund sieben Jahre sind seit dem letzten Besuch vergangen und die Frage ist, hat sich etwas geändert, weiter entwickelt?

Inhalt

Lesezeit: 18 Minuten

 

Warum kommen die Kogi?

Nun, Lucas Buchholz, der 2014/2015 Mama José Gabriel übersetzt hat, wurde von ihm beauftragt ein Buch über die Kogi zu schreiben. So reiste er 2018 in die Sierra Nevada de Santa Marta, um dort das Wissen und Weltbild der Kogi aufzunehmen und in Form eines Buches in die Welt zu bringen. Zudem erhielt Lucas den Auftrag eine Akademie zu gründen, ein Ort des lebendigen Lernens und Erinnerns im Sinne des „Einen Gedanken“ (für die Kogi hat alles was existiert einen ursprünglichen Gedanken und so einen Ort und eine Aufgabe. Dieses muss gehütet werden. Die Kogi haben sich den Zugang zu den ursprünglichen Gedanken bewahrt). Mama José sagt dazu: „Mit diesem Buch werdet ihr anfangen eine Akademie zu gründen. Dort wird es Lehrer geben, die den Menschen über den Einen Gedanken erzählen. Mein Freund und seine Gefährten hier werden den Anfang machen. Dort werden die Menschen hinkommen. Sie werden wieder lernen, dass das Leben nur Eins ist und das wir deswegen auch nur Einem Gedanken folgen und nicht vielen. Wir werden wieder diesen Einen Gedanken denken. Ihr kümmert euch dort um diese Dinge und hütet sie, und wir tun es hier. Wir Kogi werden wieder echte Brüder haben, um mit ihnen in zhigoneshi (dem Einen Gedanken) zusammenzuarbeiten.“[1]

In diesem Sinne ist die Reise der Kogi ein Beitrag zur Gründung der Akademie und um mit uns in Kontakt zu bleiben, dass wir wieder lernen, im Gleichgewicht mit der Natur zu leben. So sind die Reisestationen keine Regierungsstellen oder große Organisationen, sondern Menschen, die schon dabei sind, wieder zu lernen im Gleichgewicht zu leben, miteinander und mit der Natur.

Und die Reise stößt auf großes Interesse. Alle Veranstaltungen, Diskussionen und Begehungen in der Natur sind gut besucht. Ihre Botschaft kommt an.

Bemerkenswert war, dass mit den Kogi auch der Regen wieder kam, nach einem langen und trockenen Sommer. Das Wasser ist für die Kogi besonders wichtig. Der Kogi Übersetzer Arregoces sagt zu dem Regen während der Kogi Reise: „Es ist eine große Freude, dass es jetzt regnet. Die Mutter hört uns zu.“

 

Die Kogi auf Schloss Tempelhof

Ich hatte mich entschieden, die Kogi auf Schloss Tempelhof zu sehen und zu hören, wo sie anderthalb Tage mit uns über die Themen Gemeinschaft, Bildung und Ökonomie gesprochen haben. Die Kogi sind Mama Bernardo, Saka Narcisa, Mama Shibulata, der Übersetzer Arregoces und als Organisator und Übersetzer Lucas Buchholz.

Ich versuche mal die Themen nach Überschriften zusammenzufassen. Innerhalb der Veranstaltung mischten sich die Themen, so dass dies eine unvollständige Zusammenfassung des Gesagten ist. Wer sich schon mit den Kogi beschäftigt hat, findet hier weitere Aspekte ihres Lebens und ihrer Geschichte und noch einmal fokussiert Anregungen für unser Leben und die jetzige Zeit. Wer die Kogi noch nicht kennt, findet Aspekte ihres alltäglichen und spirituellen Lebens und ihrer Weltvorstellung. Es ist eine Fülle an Informationen, so dass es sich lohnt, den Text mehrmals zu lesen und mit den weiteren verfügbaren Materialien zu ergänzen. Am Ende des Blogbeitrags findest du Hinweise auf weiterführende Bücher, Artikel und Filme. Hier habe ich eine Zusammenfassung zu den Kogi geschrieben. Zu beachten ist ebenfalls, dass es zwei Schritte bei der Übersetzung gab, von Kaggaba auf Spanisch, und dann von Spanisch auf Deutsch. So ist sicher auch ein Teil der ursprünglichen Erzählung auf Kaggaba verloren gegangen.

 

Gemeinschaft

Die erste Frage an die Kogi auf Schloss Tempelhof bezieht sich auf die Gemeinschaftsbildung. Wie organisieren die Kogi ihr gemeinschaftliches Leben? Ein Kogi Dorf besteht aus 200-300 Familien. Grundlage für ein Dorf ist ein ursprüngliches angestammtes Gebiet. Die oberste Autorität für das Dorf ist der Ort selbst. Der Ort heißt Esuama und hat eine spirituelle Autorität, die in allen Belangen des Dorfes befragt wird. Erst danach kommen die Mamos als Weisheitshüter und spirituelle Führer. Zudem gibt es für jedes Dorf weltliche Autoritäten, die für die alltäglichen Dinge zuständig sind. Für Entscheidungen braucht es ein Einvernehmen zwischen weltlichem und spirituellem Führer.

Als zentralen Ordnungsprozess gibt es alle zwei bis drei Wochen Treffen aller Dorfbewohner. Jeder erzählt was er gesagt, gehört, gesprochen und erlebt hat. Für diese Treffen gibt es Zeremonialhäuser (Nuhué) jeweils für Männer und Frauen, und es gibt einen neutralen Ort, wo sich Männer und Frauen gemeinsam treffen, wenn es beide betrifft.

Alle Herausforderungen werden in der Gemeinschaft besprochen. Manche Dinge werden mit hochgenommen zu dem Mamos in den Bergen, zum Beispiel für Rituale oder was es braucht.

Bei den Treffen werden die Probleme gemeinsam gelöst. Es gibt keine Bestrafung. Es geht darum Geist, Gedanken und Gefühle wieder in die ursprüngliche Ordnung zu bringen.

Es gibt gemeinschaftliche Arbeiten wie Wege und Brücken zu bauen, Häuser instand zu halten, oder den Mamos bei der Aussaat zu helfen.

Gemeinschaftlich gibt es auch spirituelle Arbeiten, wie z.B. ein Erntedankfest. Dabei wird die Ernte eines bestimmten Tals für eine Zeremonie in das Nuhué (Weltenhaus) gebracht.

Es gibt weitere gemeinschaftliche Arbeit in den Höhen der Sierra Nevada de Santa Marta: zum Beispiel Tanzen mit Masken um mit spirituellen Vätern und Müttern in Verbindung zu gehen.

Was passiert, wenn jemand nicht zu gemeinschaftlichen Aufgaben kommen kann? Arregoces, der Übersetzer, berichtet von sich: Jetzt ist er mit der Europareise einen Monat unterwegs. Er hat daher mit den Autoritäten des Flusstals gesprochen, was er vorhat. Wenn er zurückkommt, wird er darüber berichten. Er muss ausgleichen, wenn er an einem Treffen nicht da ist, z.B. 20x Feuerholz holen für das Weltenhaus. Für diese Fragen sind die Autoritäten des Dorfes zuständig, nicht die Mamos.

Für Schloss Tempelhof haben die Kogi festgestellt, dass es ein weiblicher Ort ist, weil es dort viel Wasser gibt, auch unterirdisch. Das ist auch ein guter Ort für Gemeinschaften.

 

Bildung

Für die Kogi gibt es traditionelle Bildung und westliche Bildung. Das oberste Ziel der Bildung ist den ursprünglichen Einen Gedanken umzusetzen. Die Hauptaufgabe der Kogi ist es, das Herz der Erde zu hüten, das mit allen Plätzen auf dieser Erde verbunden ist. Diesem ist sowohl die westliche als auch die traditionelle Bildung untergeordnet.

Als die Kogi noch nicht Spanisch sprechen konnten, konnten sie sich noch nicht mit der Regierung unterhalten. So kamen kolumbianische Bauern in die höheren Lagen, die die angestammten Gebiete der Kogi sind. Ohne Spanisch gab es keine Kommunikation. Sie mussten lernen, dass es Besitzurkunden gibt und ein Recht darauf Land zu erwerben. So haben sie begonnen auch Spanisch zu lernen.

Vor 50 Jahren kam ein italienischer Pater und hat eine Schule bei den Kogi gebaut. Die Gefahren der Schule wurden von den Kogi nicht erkannt. Sie dachten, sie würden dort nur Lesen und Schreiben und Recht lernen. Es gab am Anfang vier Schüler, einer leitet heute noch die Außenvertretung der Kogi. Einige der Schüler haben traditionell und westlich gelernt, große Lehrer sind daraus hervorgegangen.

Ihr oberstes Ziel ist, die eigene Kultur zu erhalten. Dem ist auch die westliche Bildung untergeordnet.

Die größte Gefahr dafür ist die Schulpflicht. Derzeit gehen einige Kinder nicht in die westliche Schule. Die Eltern können entscheiden. Sie sollen dazu die Mamos fragen, oder das Orakel befragen. Das gleiche gilt für die Ausbildung als Mamo. Etwas 3-5 Kinder werden pro Dorf (Esuama) als Mamo ausgebildet. Auch nach dem Schulabschluss entscheiden die Mamos, welche Ausbildung für das Wohl der Gemeinschaft gut ist.

Die kolumbianische Regierung hat Schulen für die indigenen Arhuacos und Wiwa eingerichtet. Das hat zu Verwirrung geführt. Arhuacos und Wiwas haben geheiratet. Das hat die Kultur geschwächt. Ein Problem ist die Durchmischung mit anderen indigenen Völkern, auch bei dem Unterricht in den Bergen. Für die Kogi ist es wichtig, 100% der eigenen Kultur weiterzutragen.

Die Kogi erarbeiten jetzt einen eigenen Lehrplan für ihr indigenes Wissen. Darin ist auch Bildung für die Gemeinschaft, persönlich und spirituell enthalten.

Für das Verständnis von Bildung ist es wichtig, grundlegende Fragen zu beantworten, wie: Was ist der Ursprung der Bildung? Wann wurde etwas zum ersten Mal unterrichtet? Kommt das Wissen von der Erde oder von den Vorvätern? Sie bringen alles zusammen, was bis heute über die Bildung bekannt ist, Positives und Schwieriges. Das wir dann das Fundament der Schule.

 

Was ist die Rolle und Aufgabe der Frauen?

Saka Narcisa sagt hierzu: Die Aufgabe der Frauen ist es, Kinder zu gebären und Mutter zu sein. Den Frauen wurde die Aufgabe hinterlassen, Mochilas zu weben (Mochilas sind die Taschen der Kogi). Den Männern wurde aufgetragen, die Kleidung zu weben, die Frauen machen den Faden. So verweben sich die Tätigkeiten von Mann und Frau miteinander. Die Frauen repräsentieren die Mütter in der Natur, z.B. das Meer, die Seen oder den Mond. Ihre Aufgabe ist es auch die Töchter zu unterrichten, z.B. das Wasser zu schützen, denn die Frauen sind das Wasser.

Die Frau ist ein Bergsee und der Mann ein Berg, und sie sollen beieinander bleiben. Für Saka Narcisa ist die Ehe das heiligste und wichtigste, das es gibt. Ihr erster und einziger Mann ist Shibulata.

Eine Ehe ist nicht nur eine Verbindung zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen dem Paar und der Natur.

Eine Gefährdung für die Beziehung kann die Eifersucht sein. Wenn eine Verbindung zur Natur besteht und die Natur in das Leben eingebunden ist, gibt es weniger Eifersucht. Einen Pakt mit der Natur eingehen heißt, sich nicht anderweitig umzuschauen.

Sie ist schockiert zu hören, dass sich in Deutschland 50% der Paare trennen. Wenn es wegen Eifersucht ist, ist es ihrer Ansicht nach ein Ungleichgewicht mit der Natur.

 

Erziehung von Kindern

Auf die Frage, wie Jungs erzogen werden, erzählt Mama Shibulata über sich. Als er ein kleiner Junge war, haben die Eltern ihn gefragt, was wirst du sein, was willst du tun? Das war die erste Frage der Eltern an ihn.

„Ich habe gesehen, dass mein Vater und meine Mutter das Wasser hüten, den Berg hüten und die Sonne hüten, so war meine Antwort, dies auch zu tun. Danach hat mein Vater mir das beigebracht wie zum Beispiel für die Sonne zu singen und zu tanzen. Ich habe gelernt für das Wasser, die Seen zu singen, als Gabe zu geben. Das hat mir auch Mamo Valencio beigebracht, er hat auch meinen Vater unterrichtet. Die Dinge so zu hüten als wären es meine.

Wir haben gelernt, uns gut um Nahrungsmittel zu kümmern. Wir gleichen aus, z.B. beim Hausbau, oder für Sisal, aus dem die Taschen gemacht sind. Wasser hüten heißt, zu lernen, wo man ins Wasser gehen kann und wo nicht, wo man besser singen sollte.

Diese Dinge habe ich von meinem Vater und Mamo Valencio gelernt.

Ich habe zwei Söhne und bringe ihnen bei, das Wasser zu hüten, die Geschichte des Wassers zu erzählen, dass sie es gut hüten können.

Es geht darum zu lernen, wie sie sich der Gemeinschaft zuwenden können, damit sie ein guter authentischer Führer sein können, um die Gemeinschaft im Gleichgewicht zu halten.“

Deswegen haben die Kogi noch keinen Berggipfel bebaut oder am Rande eines Sees gebaut. Lucas erzählt später, dass es ihnen sehr wichtig ist, dass nicht an einem See gebaut wird, oder auch ein Tunnel durch einen Berg gebaut würde, das störe die Stabilität des Berges.

Wenn die Kogi die Kinder alleine lassen, würden sie über Technik kommunizieren. Daher ist es besser ihnen die Natur zu erklären, so Mama Shibulata. Kinder müssen den Wert der Natur wieder erlernen.

Die Jungs schlafen bei den Vätern, sie lernen im Schlaf ein Mann zu werden. Ebenso die Mädchen bei den Frauen.

Saka Narcisa wird zur Erziehung der Mädchen befragt, insbesondere, ob es eine Initiation gibt, wenn Frauen anfangen zu bluten?

Saka Narcisa antwortet darauf: „Die kleinen Mädchen dürfen nicht wissen, dass die größeren Schwestern bluten, das ist heilig. Die erste Menstruation ist besonders heilig. Das Mädchen bleibt dabei im Haus und knüpfte eine Tasche. Wichtig ist, dass sie an einem Ort bleibt, sonst könnte Schaden entstehen. Der Körper reinigt sich, das ist wichtig, vier Tage und vier Nächte.

Die älteren Frauen unterrichten sie, ihren Körper zu ehren und ihre Intimität zu schützen.“

 

Ökonomie

Bei den Kogi hat jeder eine eigene Landwirtschaft für den eigenen Bedarf. Ein Teil der Landwirtschaft ist gemeinschaftlich, z.B. Zuckerrohr, das wird gemeinschaftlich geerntet und gepresst.

Die Mamos arbeiten nicht auf dem Feld, sie werden versorgt. D.h. ein Teil der normalen Ernte wird in die Esuamas der Mamos gebracht. Von dem Essen, das mitgebracht wird, geht ein Teil zu den Mamos, oder wird verteilt auf einem gemeinsamen Fest. Das wird der Natur mitgeteilt.

Kranke und Alte werden von der Familie mitversorgt. Alte sind hochgeschätzt, sie arbeiten im Geiste.

Mama Shibulata lebt in der Stadt und muss alles bezahlen. In der Natur ist es auch so. Ein Haus muss bei der Natur angemeldet werden und es muss einen Ausgleich geben.

Wenn wir besprechen, was wir uns vornehmen werden, muss es ausgeglichen sein mit der Natur. Das Erntedankritual der Bewohner von Schloss Tempelhof, wo auch die Kogi dabei waren, folgt dem gleichen Prinzip. Die Anmeldung zum Tag mit den Kogi, wo wir einen Ausgleich bezahlt haben für das Wasser, das Essen etc., ebenfalls. Alles braucht einen Ausgleich.

 

Dunkelheit

Eine spannende Frage lautete „Was bedeutet es in der Dunkelheit groß zu werden?“ Die Mamos und Sakas als Weisheitshüter lernen neun oder 18 Jahre in Dunkelheit, um ihre Aufgabe erfüllen zu können.

Mama Shibulata antwortet und der Übersetzer Arregoces merkt dazu an, dass es einiges gibt, was er nicht übersetzen kann, weil man es höchstens erspüren kann: „Wir alle lernen von der Dunkelheit. Hier gibt es ja auch Tag und Nacht. Wir schlafen in der Nacht. Der Geist beginnt im Schlaf zu wandern. Das Träumen hat Bedeutung für die Zukunft. Wir bekommen Zeichen und Eindrücke, die Hinweise geben. Wir vervollständigen in der Nacht die Dinge, die wir am Tag tun.

Wir wissen in der Dunkelheit nicht, wo wir sind. Wir sind in Sè (in der geistigen „Ursuppe“ aller Möglichkeiten). Die Mamos lernen den dunklen Weg in Sé zu gehen. Z. B. die schwarzen Wege in die Tasche zu weben.

Auch wir haben schwarze Linien wie hier die Kabel (Shibulata zeigt auf die Mikrofonkabel). Warum stellen wir schwarze Dinge her wie Straßen oder Kabel? Was ist unser spiritueller Sinn dahinter?

Es gibt auch natürliche schwarze Dinge wie schwarze Steine oder schwarze Berge. Sie können uns mitnehmen in die Dunkelheit.“

 

Unsere größten Fehler

Derzeit gibt es ein großes Ungleichgewicht auf der Erde, davor warnen die Kogi seit 1990. Sie wundern sich, dass wir die Warnung immer noch nicht verstanden haben. Doch auch wir wissen seit 50 Jahren, dass es ein Ungleichgewicht gibt, und wir die Natur und die Erde zerstören. So ermutigen uns die Kogi wie auch 2014 schon, dass wir uns vernetzen, damit unsere Kraft größer wird, um der Zerstörung entgegenzuwirken.

Doch was braucht es? Für die Kogi hat alles, was existiert, einen ursprünglichen Gedanken, der die Funktion festlegt. So gibt es Orte, die für den Menschen da sind und Orte, die in Ruhe gelassen werden müssen, weil sie zum Beispiel für bestimmte Pflanzen und Tiere da sind, die Struktur der Erde stabilisieren und vieles mehr. So sind insbesondere Berge, Flüsse und Seen besonders wichtig und dürfen nicht gestört werden. Das haben wir in unserer Kultur vergessen.

Und alles hat einen spirituellen Vater oder eine spirituelle Mutter. Um die Funktion und Aufgabe von etwas zu erfahren, braucht man die Kommunikation mit den spirituellen Vätern und Müttern. Das dürfen wir wieder lernen. Auch Europa und die europäische Kultur hat einen spirituellen Vater, den die Kogi sogar benennen können. Hier ist festgelegt, was die Aufgabe unserer Kultur ist. Was die Aufgabe ist, haben uns die Kogi nicht gesagt, das müssen wir selbst wieder herausfinden.

Für die Kogi ist es die Aufgabe, das Herz der Erde zu hüten. Ihnen wurde von Anfang an mitgegeben, wie ihre Häuser gebaut werden, was sie essen können und wie ihre Kleidung ist. Sie müssen nichts erfinden. Alles, was es zum Leben im Gleichgewicht mit der Natur braucht, ist schon vorhanden. Ein Haus, das Essen oder die Kleidung der Kogi zerstört nichts. Ihre Aufgabe ist, nichts von diesen ursprünglichen Gedanken zu vergessen.

Die Kogi sagen nicht, dass wir unsere materielle Kultur aufgeben sollen. Das ist etwas, was wir gut können und es gibt keinen Grund damit aufzuhören. Wir dürfen nur nicht das Gleichgewicht stören. Das Gleichgewicht wird durch einiges gestört:

  • Abbau von Erzen und Erdöl und Erdgas (das zerstört die Stabilität von Regionen)
  • Störung des Wasserkreislaufs, durch Trockenlegen von Lagunen und Sümpfen (das wurde im Film Aluna ausführlich behandelt)
  • durch Verschmutzung von Wasser
  • Bau von Tunneln (das zerstört die Stabilität von Bergen)
  • Bauwerke auf Berggipfeln (Häuser, Gipfelkreuze, Wanderpavillons, Antennenanlagen, Pumpspeicherwerke)
  • Bauwerke am Seeufer (z.B. am Ufer vom Ammersee)
  • Bauwerke an Orten, wo zwei Flüsse zusammenfließen (in der Schweiz haben sie gesehen, dass eine Kirche an so einem Ort steht, auch diese müsste weg, um das Gleichgewicht wiederherzustellen).
  • vor Ort kann man die spirituellen Kräfte fragen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. In der Schweiz haben sie an einem Ort, wo es den Bäumen nicht gut geht, den Ort gefragt, woran es liegt. Die Antwort war, dass der Geist des Ortes verärgert über den Staudamm in der Nähe ist.

 

Was machen wir, wenn uns der Weltschmerz überkommt?

Angesichts der Zerstörung der Natur und der begrenzten Möglichkeit des Einzelnen daran etwas zu ändern, kann ein Gefühl der Ohnmacht entstehen. Daher kam die Frage, was man machen kann, wenn einem der Weltschmerz überkommt.

Arregoces sagt dazu, Traurigkeit ist hinderlich, das zieht Negativität an und produziert eine Anhaftung von Gedanken. So wird das Handeln gelähmt. Besser ist es konstruktiv in die Handlung zu gehen.

Mama Shibulata ergänzt das etwas ausführlicher: In dieser Zeit fühlen die Kogi sich auch traurig, sie haben das Gefühl, keine Zeit mehr zu haben.

An ihrem Wohnort in Kolumbien an der Küste hatte vor der Ankunft der Spanier niemand etwas verändert. Es war zuerst ohne menschliche Eingriffe. Dann kamen die jüngeren Brüder mit Maschinen und haben den Ort zerstört. Man könnte darüber traurig sein oder wütend, aber das bringt nichts.

Besser ist es sich auf den Ursprung, das Gesetz der Großen Mutter zu besinnen. Besser ist es Samen zu säen und Freude an der Natur zu haben. Es selbst anders zu machen, und sich mit anderen Menschen zu verbinden. Deren Kinder machen es dann auch so.

Das müssen wir den Kindern schon im Mutterbauch mitgeben, zuerst mit dem Geist des Kindes arbeiten. In drei bis vier Generationen wird es viel wirksamer sein. Die Große Mutter wird helfen. Kinder sollten in der Schule Wald und Quellen kennenlernen.

Der Begriff „die Gedanken zu ordnen“ heißt, aus dem Unbewussten bzw. der Dunkelheit wieder Ordnung zu schaffen. Wir müssen Ordnung schaffen, wie das Fundament eines Hauses. Denn aus der Dunkelheit kommt alles, was existiert. Wir müssen uns an das Schöpfungsprinzip erinnern, dass alles aus der Dunkelheit kommt, auch ein Baby und die Erde. Das ist der gleiche Prozess, ein aus der Dunkelheit kommender Prozess. Dafür sind geordnete Gedanken wichtig.

 

Ausblick

Die Kogi hatten im Vorfeld der Corona-Zeit schon gesehen, dass die Welt im Sommer 2020 stillstehen wird. So lag die Frage auf der Hand, ob es jetzt neue Hinweise gibt, wie es sich weiterentwickelt. Mama Shibulata sagt dazu, dass es verschiedene Versionen der Zukunft gibt. Die Erde ist wie eine Mama, sie sagt zuerst mehrmals warnend „Pass gut auf“, aber irgendwann knallt es. Erdbeben, Hurrikane etc. sind Warnungen. Wenn wir so weitergehen, wird die Bevölkerung, die wächst, wieder zurückgehen. Es hängt von uns ab. Wir haben noch etwa drei, sechs oder zehn Generationen Zeit, die Dinge wieder zu ordnen. Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder ordnen wir die Dinge, oder die Dinge ordnen sich.

Sie tun ihre Arbeit in der Sierra Nevada de Santa Marta, weil sie möchten, dass die Menschheit länger lebt.

Er fragt uns jüngere Brüder: Wie lange wollen WIR als Menschheit weiter leben? Wollen wir uns dafür ändern oder nicht?

 

Die zwei Tage haben in mir haben mich gestärkt, mich weiter für das Gleichgewicht in uns und mit der Natur zu widmen. Die Vernetzung und Weiterverbreitung dieser Grundlagen ist wichtig, damit sich dieses Wissen in den nächsten Generationen bei uns verankert und die “spirituellen Menschen” sich nicht mehr getrennt fühlen von den “nicht-spirituellen Menschen”, denn wir sind auch jetzt schon nicht getrennt, wir leben in einer Kultur, in einem Lebensraum.

 

Fußnote:
[1] Lucas Buchholz: Kogi – wie ein Naturvolk unsere moderne Welt inspiriert, 2019, S. 258

Blogbeiträge über die Kogi

Botschaft der Kogi zur Corona Krise am 24.06.2020

Botschaft der Kogi zur Corona Krise am 24.06.2020

Die Kogi haben sich am 24.06.2020 anlässlich der Corona-Krise erneut mit einer Botschaft an die Welt gewandt, um uns als Älteste der Ältesten, als ältere Brüder an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Diese Botschaft ist tiefgründig und vielschichtig, so dass ich...

Videos über die Kogi

From The Heart Of The World – The Elder Brothers Warning, 1990

Die Kogi 2022 in Deutschland

von Alan Ereira

Aluna, 2012

Die Kogi 2022 in Deutschland

von Alan Ereira

arte Reportage vom 0 10.01.2024: Von Wurzeln und Stämmen
Kolumbien, die Kordilleren der Arhuaco

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Eine schöne Doku über die Arhuaco in der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien. Die Brüder der Kogi hüten im Süden der Sierra ihre Plätze und Natur. Es ist so schön in diese Reinheit, Unberührtheit und Schönheit einzutauchen. Nebenbei ein paar Infos über Eric Julien, der 1986 als Bergsteiger von den Arhuaco gerettet wurde und seitdem Botschafter dieses Volkes ist. Es werden auch die Schauplätze seiner Rettung und seine neu gewonnenen Brüder gezeigt. Und die Plazenta der Erde, aus dem das Leben entsteht. Ein kleiner, besonderer Film mit wundervollen Einblicken.

Dieses Video ist verfügbar bis 16.03.2024 unter https://www.arte.tv/de/videos/086951-003-A/von-wurzeln-und-staemmen/

Bücher über die Kogi

blank Lucas Buchholz: Kogi - Wie ein Naturvolk unsere Kultur inspiriert, 2019
Diesmal wenden die Kogi sich an uns um noch genauer ihre Weltsicht zu erläutern. Hierzu haben sie Lucas Buchholz eingeladen. Lucas ist es gelungen die Anregungen und Warnungen der Kogi anschaulich und pragmatisch umsetzbar zu machen (genialokal.de / Urwaldkaffee.de)

blankAlan Ereira:  Aluna: Jedes Leben hat eine Bestimmung (DVD), 2016
(genialokal.de / Urwaldkaffee.de)

blankÉric Julien: Der Weg der neun Welten: Die Kogi-Indianer und Ihr Urwissen vom Leben im Einklang mit Himmel und Erde, 2. Auflage 2018
(genialokal.de / Urwaldkaffee.de)

blankAlan Ereira: Die großen Brüder, 1993

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