Die Kogi haben sich am 24.06.2020 anlässlich der Corona-Krise erneut mit einer Botschaft an die Welt gewandt, um uns als Älteste der Ältesten, als ältere Brüder an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Diese Botschaft ist tiefgründig und vielschichtig, so dass ich empfehlen würde, dass du dir die Zeit nimmst, das Video komplett zu schauen. Für diejenigen, die kein Englisch können oder nur einen kleineren Einblick in die Welt der Kogi bekommen möchten, habe ich eine Transkription des Videos erstellt und auf deutsch übersetzt.

Nachdem der Film “From the Heart of the World. The Elder Brothers Warning” aus dem Jahre 1990 auf wenig Resonanz gestoßen ist, haben die Kogi gelernt, sich besser mit uns zu verständigen und ihre wichtige Botschaft an die Welt zu vermittelt. Besonders seit 2012 gibt es viele Aktivitäten in der Welt, mit den indigenen Brüder und mit uns Westlern in Kontakt zu kommen. Eine Übersicht zu den Kogi findest du hier.

Speziell zu Corona-Krise wenden sie sich erneut an uns. Zum einen sind sie vom Lockdown betroffen, dass sie nicht zu ihren Feldern gehen dürfen und um Spenden bitten. Zum anderen nutzen sie die Gelegenheit für ein Teaching, das uns ihr Weltbild näher bringt und uns zeigt, was ihrer Ansicht nach zu tun ist. Für sie ist das Corona-Virus in eine Reihe zu setzen mit anderen negativen Phänomenen, wie die Waldbrände in vielen Teilen der Welt, dem Abschmelzen der Gletscher und anderen Naturkatastrophen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass wir die Erde in ein Ungleichgewicht gebracht haben, das jetzt versucht wieder über diese Phänomene wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Dieses Teaching zeigt die Zusammenhänge auf und dass nur ein tiefes Verstehen, das alles miteinander verbunden ist, zu dauerhaftem Gleichgewicht führen kann. Ich hoffe, das diese Botschaft, die ich als großen Schatz empfinde, auch für dich inspirierend ist.

Organisiert wurde diese Übertragung vom Tairona Heritage Trust.

In diesem Video sprechen:

  • Mama Senchina und seine Frau Havar
  • Alan Ereira (Filmemacher von “From the Heart of the World. The Elder Brothers Warning”, 1990  und “Aluna”, 2012)
  • Anthar Kharana (Musiker aus Kolumbien, ausgebildet in traditionellem Wissen seit dem er 14 ist)
  • Medicine Festival (www.medicinefestival.com)
  • Moderation: Oona Chaplin (Enkelin von Charles Chaplin und Schauspielerin, u.a. Games of Throne)

 

Video Thumbnail
Botschaft der Kogi über Corona / Message of the Kogi about Corona am 24.06.2020
Die Kogi haben sich am 24.06.2020 anlässlich der Corona-Krise erneut mit einer Botschaft an die Welt gewandt, um uns als Älteste der Ältesten, als ältere Brüder an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Diese Botschaft ist tiefgründig und vielschichtig, so dass ich empfehlen würde, dass du dir die Zeit n
Lesezeit: 38 Minuten

Einleitung

Die Kogi sind am 24.06.2020 aus den Bergen nach Bogota gekommen um uns ihre Botschaft zur Corona-Situation zu geben. Die Botschaft kommt direkt von der Erde, denn es gibt kaum Menschen, die die Botschaft der Erde so klar hören wie die Kogi.

Im Moment ist es auch wichtig die Kogi zu unterstützen, da sie einen sehr strikten Lockdown hatten, der ihnen den Zugang zu ihren Feldern und ihrer Nahrung verhindert hat.

Die Übertragung der Botschaft ist vom Tairona Heritage Trust organisiert worden, einer kleinen Organisation aus England, die von Alan Ereira, dem Regisseur von zwei Filmen über die Kogi (1990 “From the Heart of the World. The Elder Brothers Warning” und 2012 “Aluna”) gegründet wurde. Ihr Ziel ist es die Kultur der Kogi zu erhalten und den Zugang zu ihrem angestammten Territorium wiederzuerhalten, weil dies wichtig für das Gleichgewicht auf der Erde ist.

Die Botschaft ist nicht nur eine verbale Botschaft, sondern eine Übertragung von viel Tieferem jenseits der Worte. Ich kann nur empfehlen, das Video dazu anzuschauen und darin einzutauchen.

Für die Kogi spricht Mama Senchina und seine Frau Havar, übersetzt von seinem Enkel Manuel in Spanisch und Esteban in Englisch.

 

Warum gibt es Corona?

Mama Senchina:

Der Virus ist an die Oberfläche gekommen, weil wir heute anders mit der Erde umgehen als früher. Wir als Menschheit stehen in der Schuld der Erde. In all den Jahren der Verletzung und Zerstörung der Erde haben wir die spirituelle Schuld, nicht in Balance mit der Erde zu leben, so weit anwachsen lassen.

Früher, in Zeiten als es noch keine Flugzeuge, Autos und Fahrräder gab, haben die Kogi zum Beispiel auf dem Weg von der Sierra Nevada de Santa Marta in die Ebene ständig „pagamientos“ gemacht. Pagamientos sind Gebete oder stille Opfergaben, die sie aus ihrer Tradition geerbt haben. So wird der lange Weg in die Ebene zu Fuß zu einem Pilgerweg, indem etwas dem Land zurückgegeben wird. In alten Zeit war es üblich mit dem Land in Verbindung zu setzen, indem sie Gedanken als Opfergabe gegeben haben. Sie praktizieren somit eine Gegenseitigkeit (Reziprozität) mit dem Land. So machen sie es heute auch noch.

Die westlichen Menschen bewegen sich vorwärts, indem sie das Land zerstören, indem sie zum Beispiel Mineralien und Gold entnehmen. Sie nehmen und nehmen und geben noch nicht einmal in Gedanken etwas zurück.

In den letzten Jahren ist Mama Senchina ins Ausland gereist, dorthin wo Mutter Erde ihn gerufen hat. So hat er Rituale gemacht in Mexiko, Chicago, Alaska, Chile oder Peru. Überall stellt er fest, dass die Menschen die Augen von Mutter Erde herausnehmen, ihre Organe zerstören und ihr Herz entweihen. Er hatte vorher gedacht, es würde nur in seiner Heimat stattfinden, aber er hat gesehen, dass es überall auf der Erde stattfindet.

Nach Ansicht der Kogi hat der Schöpfer Serankua die Menschen beauftragt, die Erde und auch das, was unter der Erde ist, die Mineralien, die Kohle, das Öl zu beschützen. Wir im Westen als „jüngere Brüder“ haben vergessen, dass das, was unter der Erde ist, dort bleiben soll. Es ist wie wenn du an deiner Hand die Haut öffnest und die Venen herausnimmst. Wie würdest du dein Leben weiterleben? So fühlt sich auch die Erde.

Wir leben mit und unter all den Lebewesen der Erde, uns wurden die Bäume gegeben, die Pflanzen, die Nahrung, die Tiere nicht als unser Eigentum, sondern etwas, dass uns nährt, so dass wir zurücknähren müssen. So ist ein Teil des Ungleichgewichts, dass wir etwas aus der Erde genommen haben und der andere Teil, dass wir nichts zurückgegeben haben zu dem, was wir auf dieser Ebene sehen und von dem wir leben.

Sein Großvater sagte immer, wir verletzen das Wasser der Mutter nicht, wir verletzen die Nahrung der Erde nicht, die Bäume, unsere Verwandten. Weil wenn wir sie übermäßig benutzen und so über ihren Willen hinweggehen ohne um Erlaubnis zu fragen, beginnen wir uns zu verschulden. Mit dem Poporo hat sich Mama Senchina verpflichtet, für seine Frau zu sorgen, seine Familie und das Land auf dem er lebt. Wenn wir unsere Umgebung verletzen, verletzen wir uns selbst. Weil die Schuld, die wir ansammeln, eine innere Schuld ist, die wir nicht zurückgezahlt haben.

Wie leben wir ein gutes und lebenswertes Leben? Mama Senchinas Großvater hatte ihn immer nach Mitternacht unterrichtet, indem er ihm das Lied der Mutter des Wassers, das Lied des Vaters und der Mutter der Bäume, der Mutter der Nahrung, der verschiedenen Elemente gesungen hat. So ist Mama Senchina groß geworden, indem er die Ausgleichslieder (reciprocity songs) immer wieder gehört hat. Wie können heutige Kinder für das Land sorgen, wenn wir es ihnen nicht beibringen? Nach Kogi Philosophie ist es wichtig, dass wir uns um die unmittelbare Umgebung kümmern, mit der wir leben. Das ist ein bisschen schwer zu übertragen auf die weltweite Situation, weil wir in Unwissenheit, einem Erinnerungsverlust sind darüber, wie wir in Balance sein können.

Heute haben wir den Weg vergessen. Wir gehen dorthin, wo immer das Leben uns trägt. Mama Senchinas Großvater hat ihn immer wieder gelehrt, verletze deine Frau nicht, streite nicht mit ihr, schlage sie nicht, missbrauche sie nicht. Das ist der Weg, der Weg des Nicht-Verletzens.

Wir Westler haben entschieden einen anderen Weg zu gehen.

Alles in der Welt hat seine Väter und Mütter. Das beinhaltet auch alles was wir als negativ bezeichnen würden, wie Krankheiten, schlechtes Verhalten oder Gewalt. Auch die Väter und Mütter dieser Dinge müssen gefüttert werden. Auch diesen muss zurückgezahlt werden. Wenn wir das nicht tun, werden diese Kräfte dominierend. Auch die Väter und Mütter der negativen Dinge sind Teil der Welt. Diese müssen in Schach gehalten werden. Wenn wir deren Pfad folgen, deren Art Dinge zu tun, vergessen wir über die positiven Väter und Mütter, den positiven Weg. Heutzutage sind die Kinder teilweise nicht einmal daran interessiert, den positiven Pfad zu gehen.  So werden die negativen Dinge stärker.

Die Mamos singen zu dem Negativen, sie zahlen dem Negativen etwas zurück. Das ist eine non-dualistische Art des Verständnisses. Also nicht dagegen ankämpfen, sondern es nähren von einer herzzentrierten Perspektive, nicht von einer Perspektive des Mangels oder der Sehnsucht.

Wenn die Mutter uns sieht, sieht sie uns als Nahrung. Mama Senchina ist an diesem Ort, weil die Mutter Erde ihn eingeladen hat, diese Worte zu sprechen.

Mama Senchinas Großvater war wie ein Lehrer für ihn. Heute sind die Kinder sehr faul. Sie wollen nicht einen Teil des Schlafes in der Nacht opfern zum Lernen. Sie lernen in der Nacht, dann lernen sie am meisten, vom späten Nachmittag bis nach Mitternacht. Wie können Menschen Weisheiten lernen, wenn sie nicht bereit sind, etwas zu opfern für das Gelernte? Der Grund warum ich euch das alles erzähle und gleich Lieder singe, ist, weil ich viele Nächte an der Seite meines Großvaters verbracht habe. Eine Nacht nach der anderen, immer wieder das gleiche zu hören, so dass er es verinnerlichen konnte und es nun mit allen teilen kann.

Durch das Vergessen des richtigen Pfades und dass wir in spiritueller Schuld stehen, führt zu allen Arten von Naturkatastrophen, negativen Phänomenen. Mama Senchina erwähnte Erdbeben, aber auch Hurrikane, Überflutungen oder Krankheiten. Das können Manifestationen des Ungleichgewichts sein. Das negative Phänomen ist eine Form, das Gleichgewicht zurückzufordern.

 

Das Konzept „Zhigoneshi“

Mama Senchina:

Zhigoneshi heißt “Zusammenarbeiten”. Damit meint Mama Senchina auch unterschiedliche Worte bzw. Sprachen, d.h. auch unterschiedliche Arten zu denken, um Übereinstimmung zu erreichen. Das sind zum Beispiel die Kogi und andere indigene Völker, die „jüngeren Brüder“ und die Kogi, oder unterschiedliche jüngere Brüder. Es geht darum Übereinstimmung zu finden, um den gleichen Weg zu gehen. Das führt zu Zhigoneshi.

Mama Senchina verwendet das Wort „Juluka“. Das bedeutet, wenn ein Baum mit seinen Wurzeln sich um einen Stein windet, sind die beiden Wesen Stein und Baum miteinander verwoben. Eine weitere Bedeutung von Zhigoneshi ist: mögen wir in Einheit leben, nicht auf Kosten der Verschiedenheit und gleichzeitig mögen wir in Verschiedenheit leben, nicht auf Kosten der Einheit.

Mama Senchina sagt in Bezug auf Zhigoneshi, dass er an verschiedenen Orten war, an denen verschiedene Sprachen gesprochen wurden. Das Zusammenkommen von verschiedenen Sprachen muss zentriert werden, um das, was die verschiedenen spirituellen Väter und Mütter kreiert haben. Das Wasser, die Bäume, die Steine etc. Das ist wo Übereinstimmung erreicht wird. Auf dieser gemeinsamen Basis, die wir alle teilen, mit der wir zu tun haben.

Die Frage ist, warum haben die spirituellen Väter und Mütter diese Dinge erschaffen und wie haben sie diese Dinge erschaffen. Nur mit diesem Verständnis können wir für diese Dinge sorgen. Das ist das Verständnis, das die Menschen vergessen haben. Er spricht von einem alten Teil (dueva), um zurückzugewinnen, was verloren ist auf dem neuen Weg. Es geht darum aus der Vergangenheit etwas zurückzugewinnen, wie Dinge gewesen sind und wie Dinge gemacht wurden. Um sie jetzt versuchen anzuwenden. Das impliziert, wieder zu wissen, wie Dinge sind, warum sie so sind wie sie sind. Dadurch kann Übereinstimmung erreicht werden, auf dieser gemeinsamen Basis.

Wenn wir uns erinnern, warum die Dinge in der Welt sind, wissen wir auch, was wir nicht tun sollten.  Das ist der alte Teil, den er von seinem Großvater gelernt hat und das zu seinem Volk gehört. Die Kogi sind die älteren Brüder. Und selbst andere indigene Völker sind für sie jüngere Brüder, ebenso wie alle anderen. Dieser alte Teil ist sehr klar darüber, was wir nicht tun sollten. Das, was wir nicht tun sollten, wurde zu Beginn der Schöpfung festgelegt. Nicht nur wie die Welt zu sein hat, sondern auch wie sie nicht zu sein hat. Das nennt er „joaba“, in Englisch könnte man es als „Advice“ übersetzen, „Rat“. Als die spirituellen Väter und Mütter Dinge erschaffen haben, haben Sie auch die Regeln festgelegt, wie wir uns gegenüber dem Erschaffenen verhalten sollen. Diesem „Rat“ folgen die Menschen in dieser Zeit nicht. Das ist das was wir jetzt zurückgewinnen müssen.

Mama Senchina gibt uns einige Beispiele für dieses falsche Verhalten heutzutage. Er sprach über Männer, die viel über Frauen nachdenken, der einen und der anderen Frau hinterherlaufen, anstatt mit einer zu bleiben. Ebenso sprach er über Frauen, die ähnliches machen und ihre Gedanken woanders haben, und nicht auf ihre Partnerschaft und ihre Familie fokussiert sind. Die Regeln betreffen auch zwischenmenschliche Beziehungen. All das ist Teil einer größeren Ordnung, die alles betrifft.

Mama Senchina sprach von „mukueke“, dem spirituellen Vater, der in der Schöpfung dafür zuständig ist, dass die Regeln befolgt werden. Auch ihn und seine Lehren haben wir vergessen. Er sprach von „Serankua“, den Schöpfer der Erde, all den Dingen, dem Wasser, den Bäumen, den Steinen, alles was auf der Erde ist. Serankua hat die Ordnung in all den Dingen erschaffen. So liegt in der Ordnung ein richtiges Verhalten, es wird zu einer ethischen Angelegenheit.

Wenn wir das alles zusammenbringen, können wir den alten Teil zurückgewinnen und zu einer Übereinstimmung kommen. Erinnere dich an die Ordnung der Dinge als eine Lehre, an die wir uns erinnern müssen. Diese Lehre müssen wir unseren Kindern beibringen. Wenn wir es ihnen nicht beibringen, sind sie auch nicht daran interessiert.

 

Die Lieder der Kogi

Mama Senchina:

Die Lieder der Kogi sind Vibrationen, sie haben viele verschiedenen Töne, viele verschiedene Rhythmen. Sie tragen eine Art von genetischer Erinnerung, eine tiefe morphische Resonanz. Mama Senchina singt keine Worte, er erzählt einen Mythos durch Klang.

Den Mythos, den er singen wird hat mit dem, was am Anfang gesagt wurde, zu tun, dass die negativen Kräfte nicht bekämpft werden, sondern aus einer herzzentrierten Sicht gefüttert werden. Er erzählt die Geschichte der beiden mythischen Wesenheiten, die „Songla“ und „Matuna“ heißen.  „Matuna“ hat die rechte Sicht den guten Pfad des Lebens zu gehen. „Songla“ und „Matuna“ sind in einem mythischen Kampf, nicht mit Fäusten, sondern beide hatten Trommeln, und sie sprachen in einer Art Dialog, kämpften durch ihr Trommeln miteinander. Beide wurden blind, weil sie einander die Augen weggenommen haben. Matuna konnte ein Auge behalten, und konnte weiter sehen. Mama Senchina hat von seinem Großvater gelernt, dass er nicht über Matuna singen soll, sondern zu Matuna werden soll und auf diese Art zu Songla singen soll. Somit balanciert er die Kräfte, statt nur eine Kraft zu füttern.

Das erste Lied singt er zu dem Negativem, zu Songla.

Mama Senchina nimmt die Rassel und singt den Song der Bohne, den er immer gesungen hat, wenn sein Vater ihm nachmittags Bohnen zum Essen gegeben hat. Dann singt er den Song des Kürbis, das Lied des Regens, das Lied des Wassers. [min 1:03:25-1:06:50]

Das Wasser, das aus der Lagune kommt, wird bei den Kogi so beschrieben wie eine Frau, die mit breiten Beinen liegt und pinkelt. D.h. wir gehen nicht hin und nehmen uns das Wasser, sondern wir warten bis das Wasser kommt und nehmen es, wenn es fließt. So singt er zur Mutter aller Lagunen.

Die Kogi essen auch Fleisch, Wild und Schwein. Unabhängig davon welche Art von Nahrung sie zu sich nehmen, singen sie die Lieder zu ihnen.

 

Oona:

Oona hat ein Treffen von mehr als 40 Ältesten aus aller Welt mit organisiert. Bei der Einführungszeremonie waren alle Ältesten anwesend. Mama Senchina stand zu einem bestimmten Moment auf und begann zu singen. Er singt zuerst zu den Bienen, und singt dieses sehr seltsame, merkwürdige und wundervolle Lied – ähnlich wie gerade – was auf einmal alle Anwesenden komplett verwirrte, so dass sie sich fragten, was passiert gerade? Und dann sang er sehr sanft ein anderes Lied zu der Mutterkuh, danach ein Lied der Ameisen, und für den Kondor. Das war ein unerwartetes Geschenk in dieser formellen Zeremonie, wo sich alle sehr auf das formelle Beisammensein konzentrierten und von diesen Liedern aus dem Konzept gebracht wurden. Das hat mich wirklich berührt und hat mich noch lange begleitet.

Sie hatte danach die Gelegenheit mit einem der Begleiter von Mama Senchina zu sprechen. Sie fragte ihn, was war das? Was ist da geschehen? Es fühlte sich an, als ob etwas da gewesen wäre, etwas, das so fundiert und authentisch war, so dass sie nicht in der Lage war es wirklich zu begreifen. Und der Begleiter sagte, wenn die Mamos singen, singen sie nicht zu etwas. Sie singen nicht zu dem Kolibri, sie singen den Kolibri. Wie Mama Senchina vorhin erklärte, sie singen nicht zu dem Wasser, sie singen das Wasser. Die Frequenz, die Vibration, die die Kogi singen, ist untrennbar verbunden mit der Frequenz, der Vibration des betreffenden Dinges, die dieses Ding, diese Lebensform ins Dasein bringt und manifestiert.

Manchmal ist es schwer den Liedern zuzuhören und es fühlt sich seltsam für uns an, daher ist es hilfreich diesen Hintergrund zu wissen. Das ist die Nähe und Beziehung, die sie zu den Dingen haben. Einige von euch haben vielleicht auf YouTube diese Experimente mit Reis gesehen, die auf einer Platte mit vibrierenden Klang liegen, und der Reis nimmt dabei verschiedene wunderschöne Muster an. Frequenzen haben diese Formen. Die Kogi bringen diese Formen, die sie singen, ins Dasein. Wenn sie zum Beispiel die Bienen singen, singen sie damit auch die Eigenschaften der Bienen, wie sie ihre Häuser bauen, die Art wie sie sich nähren, wie sie die heilige Gegenseitigkeit ausüben, wie sie die Königinnen der Bestäubung sind. Wenn sie die Bienen singen, singen sie für diese Eigenschaften, dass diese Frequenzen bei uns sind. Wenn sie zu der Mutterkuh singen, ist es diese Fülle, dieses Nährende, diese Frequenz mehr Milch zu haben, die du mit mehr als nur deinem eigenen Nachwuchs teilen kannst. Wenn sie die Ameisen singen, singen sie den heiligen Makroorganismus, in dem alle als eins zusammenarbeiten. Wenn sie den Kondor singen, holen sie die Frequenz der Perspektive herunter ins Dasein. Das ist viel mehr als man mit Worten ausdrücken kann. Die Worte helfen nur die Erfahrung annähernd auf meiner Ebene des Verständnisses zu beschreiben. Eigentlich entweihen diese Worte das, was tatsächlich geschehen ist.

 

Anthar Kharana: [1:53:45]

Oft ist das traditionelle Verständnis von Musik anders als unseres. So wie vorhin gesagt wurde, er singt nicht zu der Kuh oder zu der Wolke, sondern er singt die Kuh, er singt die Wolke. Ich erinnere mich daran, als wir einen Ältesten gefragt haben, wie verstehst du das, wie die Musik heute ausgedrückt wird. Er antwortete, was wir singen, kommt nicht vom Kopf. wir erschaffen es nicht. Wir wiederholen, was die Ahnen uns hinterlassen haben. Und wir ehren jedes einzelne Wesen und jede einzelne Situation die geschieht, in dem Moment. Wenn du Musik kreierst, kommt sie von einem anderen Ort, dem mind (Kopf). So versuchst du normalerweise zu denken und kreierst etwas, das sich vielleicht gut anhört oder sich nach etwas Anderem anhört. So erschaffst du etwas aus dir heraus und beziehst es aus einer anderen Ebene.

Wenn wir über Musik aus dieser alten Sicht sprechen, ist vielleicht der Grund warum wir diese Musik hören, weil du eine Tradition kultivierst. Darüber hinaus verbindest du dich mit allen Wesen die existieren. Als ich überlegt habe welches Lied ich singe, bin ich auf den Kolibri gekommen. Dies ist das Land des Kolibris. Ich möchte mit euch dieses Lied teilen, das auch für diese Zeit relevant ist, weil es in dem Lied heißt: „Singe, singe, kleiner Vogel. Singe mit deinem Herzen, bringe mit diesem Lied Heilung für mein Herz, oh mein kleiner Vogel, du reinigst mein Leben mit dem Nektar deiner Liebe. Kraftvoll und süß, Du fliegst, kleiner Kolibri“ ungefähr… Ich hoffe du kannst dich damit verbinden…[Ton setzt aus]

 

Mama Senchina spielt das Kogi-Lied des Kolibris mit der männlichen und weiblichen Flöte [1:58:50]

Mama Senchina spielt das Lied der Spinne. Für die Kogi ist die Spinne der Lehrer für das Weben. Die Spinne hat den Menschen gelehrt, die Kleidung zu weben. [2:02:25]

 

Die Filme über die Kogi von Alan Ereira

Oona:

Alan, du hast zwei unglaublich Filme gemacht, die es irgendwie geschafft haben, die Essenz der Kogi einzufangen. Du hast zwei Meisterwerke geschaffen, die zeigen wie du ernsthaft versucht hast, zu beginnen, sie zu verstehen. Erzähle uns ein bisschen davon.

Alan:

Die Filme wurden nicht wirklich von mir gemacht. Ich habe ihnen geholfen zu sprechen. Das war meine Aufgabe. Sie haben die Produktion geleitet, in beiden Filmen. Die Mamos hatten nie zuvor einen Film gesehen, aber sie haben es sehr, sehr gut verstanden die Filmproduktion durchzuführen. Und oft kamen sie mit Ideen, Dinge visuell darzustellen, die besser waren als meine eigenen. Auch wenn es ein komplett fremdes Medium für sie war. Normalerweise arbeiten sie in Gedanken, in Intelligenz, und deswegen hat es geklappt. Die erste Erfahrung, die ich mit ihnen gemacht habe, hat mich demütig gemacht, weil ich gemerkt habe, dass ich mit Menschen zusammenarbeite, deren Geist besser und schneller arbeitet als mein eigener, deren Fragen wesentlich interessanter waren als meine eigenen.

Sie waren sehr ernsthaft bei ihrem Tun. Und das ist eine Erfahrung, die wertgeschätzt werden muss, weil es sehr schwierig ist so eine Erfahrung zu haben. Ich hatte das enorme Privileg, mit Menschen zusammen zu sein, die das bewahrt haben, was wir fast überall auf der Welt zerstört haben. Das ist eine Art des Sehens, Seins und Verstehens, das weit verbreitet war. Es war auch da, wo wir sind. Und wir haben es überall zerstört. Sie haben auf etwas aufgepasst, um es zu bewahren und zu beschützen. So ist es eine Schatzkammer von Gedanken, Verstehen und Wahrnehmung, was unermesslich wertvoll ist. Es braucht ein gewisses Maß an Anpassung. Ich war erstaunt über die gesamte Erfahrung dort zu sein. Es war eine Art des Erwachens, in der Art wie du es gerade beschrieben hast.

Die Vibration, wo du sagst es ist nicht für oder über ein Lebewesen, es ist eine Verbindung. Als ich dorthin kam, hat er ein Lied für mich gesungen, das Lied der Schildkröte. Er fragte mich, möchtest du ein fröhliches Lied oder ein trauriges Lied. Ich sagte, ich möchte ein fröhliches Lied, also sang er das Lied der Schildkröte. Du hast gerade gehört, wie ein Kogi Lied sich anhört. Ich war verblüfft. Ich fragte, was sagt das Lied? Er sagte, was meinst du mit dieser Frage? Ich fragte, wenn es das Lied der Schildkröte ist, was sagt die Schildkröte? Und da kam eine Stille und einer der Männer sagte, es ist eine Schildkröte! Und dann begann ich im Ansatz zu verstehen, was tatsächlich passiert, dass es nämlich in gar keiner Weise ein westliches Lied mit einer Geschichte ist. Es hat nichts damit zu tun. Es ist eine Schildkröte.

Die Hauptsache, die mir klar wurde, durch alles was die Kogi mir gezeigt haben und ich von ihnen gelernt habe, ist dieses Wort Zhigoneshi: Die vollständige Verbundenheit von allem. So ist die gesamte Welt organisiert. Alles schuldet allem etwas. Alles ist an allem beteiligt. Und wir sind Teil davon. Und alles was du machst, was die Verbindung beschädigt, bricht und zerreißt die Verbindungen und beschädigt damit das große Ganze. Und das haben wir getan, wo die Kogi uns immer darauf hinweisen, dass wir die Erde geplündert haben. Die Verbindung zwischen dem plündern der Erde und dem Coronavirus und dem was noch so auf der Erde so schrecklich falsch läuft, das haben die Filme, die sie mit mir gemacht haben, versucht auszudrücken und zu erklären.  Natürlich sehen wir, wie es sich beschleunigt. Es ist sehr wichtig für uns anzuerkennen, dass es ein Phänomen ist und nicht verschiedene. Letzten Samstag waren es an dem Ort in Sibiren, der im Winter der kälteste Ort der Welt ist, 38 Grad Celsius über null. Das ist das gleiche, wie das Verschwinden der Gletscher und schneebedeckten Berge. Es ist das gleiche Phänomen, das nicht nur das Coronavirus hervorbringt, sondern auch andere Pandemien, weil die Zerstörung der Lebensräume verändert, wo Dinge leben können. Und diese Dinge finden andere Orte zum Leben, und wir sind auch andere Orte, die bewohnt werden können. Wie die Weltgesundheitsorganisation erst letzte Woche gesagt hat, es bestünde eine Verbindung von Sars, Ebola und anderen Pandemien mit der Zerstörung der Natur. Die Kogi sprechen darüber die ganze Zeit. Es ist alles ein und dasselbe, es ist alles miteinander verwoben und verbunden. Und wenn du glaubst du kannst mit diesen Situationen eins nach dem anderen umgehen, machst du überhaupt nichts Gutes. Du bist weiter dabei zu zerstören.

Und wir haben eine sehr kurze Zeit zu begreifen, dass die Welt eine unendlich komplizierte lebendige Struktur ist. Wir sind kaum darauf vorbereitet, das in Betracht zu ziehen. Was die Kogi uns immer und immer wieder gesagt haben: wir müssen einen Schritt zurücktreten. Tu nicht so viel. Lass die Erde sich erholen und heilen. Zerstöre sie nicht weiter.

 

Oona:

Das ist das was die spirituellen Führer der ganzen Welt sagen, auch die, die aus den Bergen herunterkommen, höre auf, mache eine Pause.

 

Alan:

Das ist keine ethische oder moralische Botschaft, es ist eine praktische, irdische, physische Botschaft. Wenn du einen großen Stein in die Luft wirfst, wird er herunterfallen.

 

Der Tairona Heritage Trust

Oona:

Kannst du uns etwas über den Tairona Heritage Trust sagen? Was du dort machst und was wir tun können um die Kogi zu unterstützen?

 

Alan:

Der Tairone Heritage Trust engagiert sich derzeit vor allem in zwei Projekten. Das erste Projekt ist ein Notfallprojekt. Wie du am Anfang gesagt hast, die Kogi haben den Weg eingeschlagen, den sie auch vor 400 Jahren eingeschlagen haben. Sie haben sich zurückgezogen, versteckt, sind verschwunden. Das ist ihre Verteidigung. So haben sie überlebt. Deshalb gibt es sie heute.

Aber das was jetzt passiert, ist, dass sie von ihrer eigenen Nahrungsmittelversorgung abgeschnitten sind. Sie können nicht zu ihren eigenen Farmen gehen. Insofern besteht die Gefahr, dass sie hungern. Sie haben einen Notfall-Aufruf gestartet. Sie haben es sehr intelligent und vorsichtig gemacht. Wir versuchen, Gelder zu sammeln, damit sie am Leben bleiben, während sie von allem abgeschnitten sind. Das gleiche Problem, das viele von uns haben. Auch wir sind von vielem abgeschnitten und viele haben ihr Einkommen verloren. Es geht vielen ums Überleben.

Aber diejenigen, die es sich leisten können, den Kogi etwas Hilfe für ihr Überleben zukommen zu lassen, können etwas Kostbares tun. Und das ist eine der Aufgaben des Tairona Heritage Trustes, Spenden zu sammeln und das tun wir zurzeit.

Die zweite Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist die Zerstörung umzukehren. Wir bringen Kogi Mamos und westliche Wissenschaftsexperten zusammen, um zu zeigen, das Zhigoneshi, Zusammenarbeiten, verschiedene Denkweisen zusammenzubringen, indigenes Wissen und westliches Wissen, tatsächlich einen Teil des Schadens, der geschehen ist, umkehren kann. Wir haben zusammen mit den Mamos ein Projekt entwickelt. In der Sierra Nevada de Santa Marta sind die Quellen versiegt, nachdem die Gletscher abgeschmolzen sind. Die Bäume sind vertrocknet, die Flüsse sind ausgetrocknet. Santa Marta, die große Stadt am Fuße der Sierra Nevada, hat eine Wasserkrise, es gibt kein Wasser, die Flüsse sind leer.

Wir versuchen zu zeigen, wie eine ausgetrocknete Quelle wieder zum Fließen gebracht werden kann. Das ist ein Modellprojekt, wie die Erde geheilt werden kann. Wir machen es zusammen mit der UNESCO. Die UNESCO hat ein Programm das „Bridges“ heißt, um ein Brücke zu bauen, das unterschiedliches Wissen zusammen kommen kann mit einem gemeinsamen Ziel. Sie wollen die wissenschaftliche Gültigkeit von indigenem Wissen aufzeigen, in Kooperation mit westlichen Wissenschaftlern. Das ist das andere Projekt, mit dem wir uns beschäftigen. Das im Übrigen teurer ist als das Projekt, Spenden für das Überleben der Kogi zu sammeln. Es braucht größere finanzielle Unterstützung. „Bridges“ kommt jetzt wieder zum Leben nach dem Stopp zu Beginn des Corona Virus. Wir gehen wieder in Meetings mit ihnen, um das Projekt mit den Mamos und lokalen Umweltwissenschaftlern zu entwickeln. Die Idee ist eine Quelle wiederaufleben zu lassen und das Leben auf dem Land wiederherzustellen.

 

Oona:

Vielen Dank dass du diese Arbeit machst. Ich hoffe, es wird dokumentiert.

 

Alan:

Natürlich wird es vollständig dokumentiert. Es wird auch Teil eines lokalen Bildungsprojektes an dem Menschen aus dem Ort teilnehmen, um den Menschen zu zeigen, wie es gemacht wird. Es muss eine Art Musterprojekt werden.

 

Oona:

Ich bin voll und ganz dabei.

 

Alan:

Was wir jetzt tun können, ist zu zeigen, dass die Kogi wirklich ein Wissen besitzen, das wir nicht haben. Das ergänzt unser Wissen und geht darüber hinaus. Und sie können uns helfen, Dinge zu tun, die wir ohne ihre Hilfe nicht tun können. Und die von grundlegender Bedeutung sind.

 

Oona:

Ich war selbst sieben Jahre in spirituellen Gemeinschaften und überall ist diese Ansicht, Spiritualität ist getrennt von Wissenschaft. Und tatsächlich ist es eine lebende Wissenschaft. Diese Menschen, die Kogi, bewahren eine Tradition, die auf Vorfahren zurückgeht, bis zum Beginn der Zeit. Sie haben wissenschaftliches Verständnis von ALLEM. Es baut auf genauso viel Versuch und Irrtum auf wie unser eigenes Verstehen. Sogar mehr, weil die Erfahrungen tausende Jahre mehr zurückgehen.

 

Alan:

Es ist ein Wissenschaftsteil, über den wir nichts wissen. Wir müssen einen Weg finden miteinander zu sprechen, um zu verstehen was sie tun. Ist es spirituell oder magisch? Nein, es ist Wissenschaft. Sie wissen nur mehr über ihren Teil als wir es tun.

 

Oona:

Und das ist eine Wissenschaft, die wir alle in unser Leben integrieren können.

 

Was können wir jetzt tun? Uns selbst re-organisieren und Nichts-tun im Außen

Oona:

Frage an Mama Senchina: Wie können wir das Wissen in unser Leben integrieren? Kann er uns vielleicht ein paar Tipps geben, wie wir zum Beispiel Zeremonien in unser Leben integrieren können, dass wir in ein größeres Gleichgewicht mit der Welt kommen. Und ob er uns etwas sagen kann zur Bedeutung der Gedanken.

 

Esteban:

Bevor wir die Frage beantworten, möchte Havar ein Lied singen. Das zeigt uns auch die Verbindung von Mama Senchina und seiner Frau, vom Zusammenhang der männlichen und weiblichen Sicht der Dinge.

 

Havar singt das Lied der Kassava/Yucca-Pflanze [1:40:19]

 

Stiefsohn von Mama Senchina sagt:

Wenn wir die Gedanken betrachten, gibt es 18 Arten unsere Gedanken zu organisieren. Eine Art Ebenen der Gedanken. Wenn wir uns mit den Gedanken versöhnen wollen, müssen wir die erste Ebene verstehen, wo unsere Gedanken herkommen. Sein Wissen ist eine Verbindung von Wiwa und Kogi Wissen. Er hat diese Frage immer wieder gehört. Wie können wir etwas tun, wie können wir der Welt helfen? Der erste Tempel, den wir als Menschen bewohnen, ist unser Körper. So wird unsere Beziehung zu unserem Körper uns helfen, uns tiefer mit den anderen 17 Ebenen der Gedanken zu verbinden. Das innere Feuer des Menschen wird weitergetragen für 18 Generationen und weiter. Aber das innere Feuer muss im Gleichgewicht sein, damit die folgenden Generationen mit einem neuen Mindset, mit einer anderen Beziehung zueinander geboren werden. Das ist eine wichtige Basis. Bevor wir etwas für Mutter Erde tun, sie organisieren oder regenerieren, ist es wichtig uns selbst zu regenerieren oder zu re-organiseren. Die Kogi kooperieren gerne mit den Menschen, die diese tiefere Arbeit machen, aber es greift zu kurz, dass über Internet zu machen.

 

Mama Senchina zu der Frage was wir tun können:

Die Mamos fühlen sich als ein Mamo. Zhigoneshi verkörpert das größere Einssein in einem Körper, das gemeinsame Leben in Übereinstimmung. Es gibt nur wenige Menschen in der Welt, die auf dieses Gefühl eingestimmt sind, auf das Sorgen für das Land. Wenn wir unsere Art zu leben nicht wirklich ändern, jenseits des moralischen, in allen Aspekten unseres Lebens, werden wir merken, dass wir auf dem falschen Weg sind. Mehr Katastrophen werden geschehen, Dinge die uns auf dem Weg zum Gedeihen blockieren.

Das Gold in der Erde erhält nicht nur die Erde sondern wirkt auch in das Universum hinaus, so wie es mit dem Universum verbunden ist. Wenn das Gold entfernt wird, oder vom Menschen genommen, leben wir auf der Basis eines Ungleichgewichts, dadurch das wir das Material aus der Erde genommen haben.

Mutter Erde weint. Und die einzigen die dieses hören sind Serankua und „Sengila“, unsere Schöpfer. Wir können es selbst nicht hören, wir sind blind dafür. Die Wiederaufforstung von Bäumen, an Plätzen wo sie nicht hingehören, ist eine sehr anthropozentrische Art das Land zu regenerieren. Die spezifischen Bäume eines Platzes werden auch dort wachsen, wenn wir sie einfach wachsen lassen. Es geht nicht darum aufwändigen Einsatz zu betreiben. Um nochmal zu der vielschichtigen Metapher zurückzukehren, dass die Erde ein Wesen wie wir ist. Jedesmal wenn etwas entnommen wird, ist es so, als würden wir unsere eigene Hand oder die eines anderen abschneiden, oder Augen oder Haare. Die Mamos wollen tiefer auf unser Muster hinweisen, dass wir Dinge zerstören bzw. etwas entnehmen, um daraus etwas zu bauen.

Das Wasserorakel mit den Blasen, um Gott zu befragen, sagt ihnen gerade, dass es unabhängig davon ist, wieviel wir predigen, uns um die Erde zu kümmern, oder in welchen großen Kampagnen wir versuchen uns zu engagieren: wenn die drei Grundlagen Gedanken, Körper und sexuelle Energie nicht geklärt sind, nicht in uns selbst re-organisiert sind, wird die Welt sich auf eine Art und Weise weiter drehen, von der wir nicht wissen wohin sie uns bringt.

Es ist das gleiche Verständnis von der tiefen Verantwortung, die wir mit uns selbst haben und die wir mit unserer nächsten Umgebung haben. Mama Senchina hat gerade spirituellen Namen verwendet für den Prozess des Re-Organiserens des Körpers, des Wassers und uns selbst. Er lädt uns ein, in welcher Weise wir uns auch immer fühlen in unserem persönlichen Leben in der nächsten Umgebung weiter zu gehen, dass wir uns in Richtung Re-Organisierung bewegen.

 

Über den Poporo und die Kultur der Muiscas bei Bogota

Oona:

Es gibt viele Fragen zum Poporo. Vielleicht kann Mama Senchina uns etwas über den Poporo und Koka erzählen.

 

Mama Senchina:

Der Poporo ist nicht der Poporo, den man sieht, sondern eine spirituelle Frau, die Poporo genannt wird.

Abakuasuama, die Großmutter des goldenen Teils [vom Poporo], die Großmutter der Technologie, die der Poporo ist, Ajo, die spezielle Sorte von Koka-Blättern die verwendet werden, und eine Paste von Tabak, diese drei Dinge sind sehr heilig. Diese drei Dinge wurden hier gelassen, um den Männern zu ermöglichen, sich in einer harmonischeren Weise mit den Frauen zu verbinden. Wenn ein Kind aufwächst, isst es nicht den „Lime“, die Koka-Blätter. Erst in der Jugend wird den Jungen die Möglichkeit gegeben, einen Poporo zu tragen. Damit trägt er die Vereinbarung weiter für eine Partnerin zu sorgen, nicht nur die Frau, sondern die weiblichen Energien allgemein.

Mama Senchina erklärt weiter, warum sie jetzt in der Nähe von Bogota sind. Ich bin in dieses Land gekommen, weil dieser Ort in alter Zeit sehr heilig war. Wir sind hierher gekommen weil die Muiscas gerufen haben, um uns wiederzuverbinden mit der Heiligkeit diese Ortes. Die Muiscas und Kogi sind nah verwandt. Die Muiscas leben und lebten auf diesem Land, in Beziehung mit den Lagunen, mit den alten Arten Baumwolle zu Weben, sie haben für das Land gesorgt. Deswegen kommt die Muisca Kultur wieder zurück, sie wird wiederbelebt. Das Land unterrichtet nicht nur die Muiscas, sondern alle die vorbeikommen, die eine andere Lebensweise kennenlernen wollen, um das Land wiederherzustellen.

Mama Senchina nennt die Lehrer, die aus seiner Linie kommen. Traurigerweise nimmt das alte Wissen auch in der Sierra ab. Es gibt einen Verlust der Weisesten unter den Kogis. Sie sind schon gegangen. Es gibt immer noch die Stämme und die Kultur lebt, aber er hat entschieden, zu diesem Land zu kommen, weil er gesehen hat, das Menschen zuhören wollen, handeln und sich verpflichten wollen. So will Mama Senchina sich an diesem Standort mehr aufhalten. Wo sie alle Lagunen in der Umgebung nähren. Genauso wie die Menschen, die zu ihnen kommen, um zu lernen.

Sein Lehrer Mama Pikante, der letzte der Linie, der noch lebt, gab ihm den Auftrag, zu diesem alten Land zu gehen und es ist seine Aufgabe, den Menschen dort zu helfen, sich zu erinnern. Sich zu erinnern den Baum zu singen, das Wasser zu singen, den Berg oder die Lagune.

[Über die Muiscas https://www.indianerwww.de/indian/muisca.htm]

 

Oona:

Wir haben unter den Zuhörern auch eine Muisca Frau.

 

Die Medizin des Ortes wiederentdecken

Oona:

Nun zurück zu Anthar, wir möchten hören, was du zu sagen hast.

 

Anthar:

Ich möchte an das anknüpfen, was Mama Senchina zuletzt gesagt hat. Es bezieht sich auf eine Prophezeiung, die wir alle hier haben. Eines Tages wird ein älterer Bruder einen Traum haben, dass er zurück auf das Land kommt um das alte Wissen wieder zu lehren, das von den Spaniern und der gesamten Kolonisierung zerstört wurde.

Diese Geschichte ist auch teilweise der Grund warum ich eingeladen wurde. Als Mama Luca herunter kam um das Zeremonienhaus einzuweihen, begann er uns zu lehren und unterrichten. Ich bin in der zweiten Generation dieser Übertragungen und Einweihungen, nicht nur von den Mamos aus dem Norden sondern auch von Ältesten aus dem Süden, dem Amazonas. Dieser Prozess des Zusammenkommens der Lehrer aus dem Norden und dem Süden findet zur gleichen Zeit statt, um den Menschen die Wege zu zeigen.

Dieses Zusammenkommen der Ältesten und der neuen Generation ist in jedem Land möglich. Die Frage ist, wo lebe ich, wozu gehöre ich. Wir sprechen über die Menschen der Welt, über die Unterschiede. Das Schöne ist, auch mit den Liedern, das ist das was uns Mama Senchina auf subtile Weise lehren will. Zum Beispiel singt er die Spinne, den Kolibri, oder den Kondor. Ja, das sind Tiere hier in Kolumbien, in dem Land in dem wir geboren sind. Wenn wir geboren sind, sind wir wie eine kleine Pflanze, die mit der Medizin des Ortes wächst. Egal in welchem Ort wir geboren sind, in den Bergen, in der Wüste oder an einem See. Dadurch, dass wir dort geboren sind, verkörpern wir die Medizin von dort.

Der Schöpfer gab uns Beine zum Gehen, und die Möglichkeit zu so vielen verschiedenen Plätzen zu reisen. Das lässt uns ablenken und manchmal vergessen, wer bin ich, und wie bin ich gemacht um mich mit der Natur zu verbinden? Zum Beispiel, wenn ich aus England komme, kenne ich Raben. Das sind wichtige Tiere in der keltischen Kultur, soweit ich weiß. Wenn wir den Kondor singen, wenn wir den Kolibri singen, ist es schön diese Lieder zu lernen und diese Verbindung zu haben. Wenn ich das in England singe, wird der Rabe fragen, wer ist der Kondor? Oder wenn ich diese oder jene Pflanze singe, die es in meinem Land nicht gibt, ist es schön zu lernen sich zu verbinden, aber das, was die Kogi mit uns teilen, ist nicht das Lied, sondern Möglichkeiten uns mit der Natur zu verbinden. Was die Kogi uns lehren, ist die Natur zu beobachten, unsere Brüder und Schwestern zu beobachten, die Bäume, die Tiere, die Steine, die Seen und Flüsse. Verbinde dich mit diesen. Vielleicht bist du derjenige, der dieses Wissen herunterlädt und es verkörpert und es wieder in Bewegung bringt.

Auf meinen Reisen treffe ich immer wieder auf Menschen, die sagen, aber ich kenne meine Ältesten nicht, ich kenne die Lieder nicht. Ich kann doch nur das Lied des Kondors lernen. Ja, das ist schön. Aber das Lied des Kondors sagt dir auch, schau wie wir den Kondor ehren. Wenn der Kondor vorbeifliegt, dann singe ich den Kondor. Ich bin hier mit den Palmen, dann singe ich die Palmen. Aber wenn du dort bist mit Eichen, oder ein Reh siehst, wie schön wäre es, wenn du sie ehren könntest.

Es geht nicht darum ein Lied zu machen, es geht darum zu ehren. Das ist sehr einfach. Die Lieder der Mamos sind für viele Menschen, insbesondere für Musiker, sehr einfach. Aber in der Einfachheit ist ein großes Mysterium. Das Mysterium ist vielleicht, dass du fragst, warum ist das so einfach? Es ist so einfach, so verbunden. Manchmal machen wir die Dinge komplizierter, wenn wir versuchen zu verstehen. Was wir lieber versuchen sollten, ist uns zu verbinden, nicht verstehen zu wollen. Also wenn ein großer Wind hier vorbeiweht, was sagt mir dieser Wind? Kann ich den Wind singen? Kann ich den Vogel singen, das Tier, den Menschen? Das Wasser? Wie kann ich dieses singen, ich habe keinen Ältesten. Aber du hast die Ältesten in deinem Blut. Du bist eine lebende Ahnenlinie.

Wenn du dich in der Tiefe mit einem Element verbindest, um es zu ehren, ist es nicht deine Kreation, die aus dir herauskommt, sondern es sind die Ältesten die durch dich sprechen. Das ist der alte Weg. Was sie uns lehren ist uns auf eine einfache Art und Weise mit der Natur zu verbinden. Und über diese Art uns zu verbinden über Lieder oder Tänze, was denkst du geschieht? Vielleicht verstehst du wie du diese Pflanze anbauen kannst.

Da gibt es diese Geschichte von der Tomatenpflanze, die immer versucht hat eine Mango zu werden, weil die Mango exotischer ist, saftiger und süßer. So hat die Tomate alles versucht eine Mango zu werden. Sie hat es aber nie geschafft. Sie war eine komische Tomate, die wie eine Mango schmeckte. Eines Tages erschien der Tomate der Schöpfer in einem Traum und der Schöpfer hielt ihr einen Spiegel vor. Und da erinnerte sie sich, dass sie eine Tomate war. Danach wurde sie die großartigste Tomate aller Zeiten. Und für die Menschen war die Tomate von großem Nutzen, weil es eine perfekte Tomate war. Eine Tomate, die für sich akzeptiert hatte, was sie war. Wie sie schmeckte und wie sie aussah.

Wenn wir nah bei unserem Ursprung bleiben, bei unseren Wurzeln, können wir besser unsere eigene Form verstehen. Wenn du dann in unser Land reist, können wir uns austauschen. Wie schön du das Lied des Rabens singst, und ich teile mit dir den Song des Berges zu dem ich pilgere. Wir tauschen uns aus und stellen fest, wir beide sorgen für Mutter Erde. Wenn wir über „Territorium“ sprechen, ein Wort, das hier von Alan und anderen Sprechern gefallen ist, greife ich einen dieser Gedanken auf, von denen ich anfangs gesprochen habe. Was ist ein Territorium und wie verbinde ich mich damit? Muss ich dazu Tänze oder Lieder von woanders lernen, oder brauche ich dazu Instrumente von woanders? Vielleicht, ja.

 

Die Corona-Zeit nutzen

Anthar:

Auf unserem Land können wir uns fragen, in der Sicherheit unseres eigenen Raums, was hat die Mutter uns jetzt getan? Sie hat uns alle nach Hause geschickt, sie hat uns in einen Lockdown geschickt. Wie Kinder die nie zugehört haben, die nie verstanden haben. Sie bekommen einen Klaps auf den Hintern: Geh nach Hause und überdenke dein Leben. Wenn wir in unserer inneren heiligen Einsamkeit sind, wenn wir fragen, wie kann ich da draußen helfen? – dann komme ich zu dem nächsten Gedankengang: wie können wir etwas tun? Was kann ich tun – Frage dich in der Einsamkeit, in dieser wundervollen Gelegenheit, die dir die Mutter gegeben hat, allein zu sein, frage dich, was ist dein Territorium? Und das ist dieser kleine Faden, wo du sehen kannst wie er wächst.

Wenn du dein Territorium fragst, sehe dich selbst. Wenn du über die Flüsse sprichst, denke an deine Venen, denke an das Wasser in dir, wenn du sie heilen willst, wie heilst du deine Gefühle, wie sehr hast du dich verschmutzt. Ich möchte etwas tun um die Verschmutzung da draußen zu stoppen, dann ist es vielleicht an der Zeit zu fragen, wie kann ich aufhören mich selbst zu verschmutzen.  Wenn ich anfange, etwas bei mir zu machen, mache ich gleichzeitig etwas für da draußen. Besonders in dieser schönen Zeit, die wir haben, etwas zu erreichen, die Veränderung zu bewirken.

Wenn du anfängst über deinen Körper nachzudenken, dein eigenes Territorium, kommst du zu den einfachsten Bausteinen deines Körpers, den Zellen. Die Zelle ist eine kleine Gemeinschaft, die aus verschiedenen Elementen gemacht ist. Und wenn die Zellen zusammenkommen, bilden sie das Blut, und das Blut formt Gewebe, Gewebe formt Organe, und Organe zusammen bilden den Körper, und Körper die zusammen kommen, bilden eine Familie, Familien, die zusammen kommen, bilden eine Stadt, Städte die zusammenkommen bilden Länder, Länder die zusammen kommen, bilden Kontinente, Kontinente, die zusammen kommen bilden einen Planeten, Planeten die zusammenkommen bilden ein Sonnensystem, Sonnensysteme, die zusammenkommen, bilden eine Galaxie, und Galaxien, die zusammenkommen, bilden ein ganzes Universum. Was auch immer in deinen Zellen passiert, hat eine Auswirkung da draußen.

Wenn ich da draußen anfangen will, etwas zu ändern, ohne zu schauen, wie ich mich selbst ändern kann, dann werden wir auf dem Weg Probleme haben. Weil wir nicht verstehen warum die Veränderung im Außen nicht geschieht. Weil ich mich nicht ändere. Das sind die Hinweise, die die Ältesten uns hinterlassen haben.

 

Wir brauchen Brückenbauer zwischen den Generationen

Anthar:

Einen weiteren Gedanken möchte ich noch aufgreifen, den von Wissenschaft und Bewusstsein, oder Wissenschaft und Spiritualität. Es gibt eine Brücke zwischen diesen beiden.

Viele von uns wurden „in Zement geboren“. Nur wenige wurden in einer Maloka, einem heiligen Haus oder in der Erde geboren. So wurden wir meist im „Zement“ geboren. Wir werden von den Ältesten manchmal der „Tabak des Zements“ genannt. Was bedeutet das? Auch wenn ich in einem kleinen Raum in meinem Haus von meiner Mutter geboren wurde, bin ich ein Tabak des Zements. Wenn du eine Tabakpflanze siehst, kannst du sie in den Boden pflanzen. Wenn sie durch den Zement nach oben wächst, was es gibt, heißt das du bist durch den Zement geboren. Unter dem Zement ist die Mutter. So ist der Zement nicht mehr als ein Kleid der Mutter. Das lässt uns denken, auf dem Land ist es besser. Hier ist es nicht so gut. Aber unter dem Zement ist die Mutter. So sagen die Ältesten, wann immer du in der Stadt auf der Straße gehst, vergiss nicht, dass du auf der Mutter gehst. Wenn du mit hochhackigen Schuhen auf Zement gehst, machst du eine Pilgerreise auf der Mutter. Lass dich davon nicht verwirren. Ja, in der Natur fühlen wir uns besser, verstehe, alles können wir im Zement tun.

Wenn Wissenschaft und Bewusstsein durch Geschichten voneinander getrennt werden, wird etwas Drittes geschaffen. Und das Dritte wird Brücke genannt. Warum Brücke? Wenn du darüber nachdenkst, was gerade geschieht, das ist die Zeit für Brücken. Was ist eine Brücke? Eine Brücke hat zwei Enden, die durch die Brücke miteinander verbunden werden. Wenn wir das eine Ende „Moderne Welt“ nennen, und das andere Ende „Alte Welt“ nennen, müssen wir in dieser Zeit eine Brücke sein. Wenn du eine Brücke bist, und du fühlst, du bist eine Brücke, dann bist du der dritte Teil dieser Geschichte. Wenn die eine Seite eine Besonderheit hat, sagen wir, besondere Materialien, und der Alte Teil hat andere Materialien, sagen wir, Bambus oder etwas anderes, müssen beide Seiten sehr stark sein, damit die Brücke das verbinden kann, was sie verbindet. Wenn das Moderne schwach ist, aber das Alte sehr stark ist, wir die Brücke auseinanderfallen. Und umgekehrt, wenn das Moderne sehr stark ist, und das Alte sehr schwach, wir die Brücke ab einem gewissen Punkt auseinanderfallen. Wenn du zu dieser neuen Generation der Brücken gehörst, wenn du auf der einen Seite tief mit dem Alten und der Ahnenlinie verbunden bist und du auf der anderen Seite sehr verbunden mit dem Modernen bist, dann können wir dies hier machen. Wenn wir diese Technologie nicht hätten, würden wir uns hier verstecken, wie die anderen Kogi, die jetzt oben in den Bergen sind.

Auf der anderen Seite ist die moderne Technologie, die das Alte als unbedeutend ansieht. Dabei ist das einzige, was wichtig ist, ist die Wissenschaft. Das ist auch nicht der Weg, weil wir über die Geschichte gezeigt haben, dass die Technologie die Erde herunterwirtschaftet. So sagt die Wissenschaft zu dem Alten, helft uns, ihr seid diejenigen, die verstehen.

So, wie können wir das überbrücken? Schau dir meine Bruder Esteban an. Er ist die Brücke zwischen dem Mamo und dir. Wenn Esteban nicht da wäre, und der Mamo nur in seiner Sprache sprechen würde, würden wir den Mamo nicht verstehen. Wenn wir dem Mamo Fragen auf Englisch stellen würden, wüsste er nicht worüber wir sprechen.

Das sind nach dem, was unsere Ältesten sagen, die Zeiten für die Brücken. Wenn du in deinem Herzen weißt, dass du eine Brücke bist, eine gute Brücke, oder den Ruf verspürst, dass du eine gute Brücke werden kannst, müssen beide Enden sehr stark sein. Nicht die Technologie untergraben, nicht die Ahnen untergraben, sondern verstehen, was die besten dieser beiden Dinge sind. Dann kannst du eine Brücke sein und das tun, was wir hier gerade tun.

Ich sehe die jetzige Zeit so, dass wir die analoge Welt haben und die digitale. Einige von euch wissen was eine Kassette ist, wie mit einem Kabel verschiedene Geräte verbunden werden, wie man durch das Drücken einer Taste eine Kassette startet. Jetzt haben wir das Digitale. Das Digitale will Kabel, wo es geht, vermeiden. Man muss nur noch berühren, per Funk in Verbindung, man will keine Kabel. Das sind die zwei Welten. Schau was jetzt passiert, zwischen dem rein Digitalen und dem rein Analogen gibt es Geräte aus beiden Welten. Das ist eine Metapher für die Lehren der Ältesten. Wir brauchen jetzt die Brücken, die die Lehren der Ältesten zur jüngeren Generation übermittelt.

Wie können wir die jüngere Generation erreichen? Die Generation, die mit Tablets und Dingen beschäftigt ist? Wenn ich einen altmodisch aussehenden Film erstelle, wird das die junge Generation erreichen? Wahrscheinlich nicht. Wenn ich deren Technologie benutze und ihre Sprache, ohne dass das tiefe Verständnis der Alten verringert wird, kann ich sie erreichen und ihnen verständlich machen, dass Bäume pflanzen cool ist. Dass es cool ist Natur zu respektieren. So dass ich der Kerl bin, der Natur respektiert und das gut aussieht, der cool ist. Dann war es eine gute Sache, das Ziel wurde erreicht.

Wenn wir uns als Brücken ansehen, haben wir eine großartige und große Aufgabe. Wir sind diejenigen, die nicht auf der einen Seite sind, und wir sind nicht auf der neuen Seite, wir sind dazwischen. Die Mutter hat das entschieden, nicht wir. Wenn wir später geboren wären, wären wir in einer komplett anderen Situation. Jetzt ist die richtige Zeit, das alte Wissen zu nutzen, die Brücken zu benutzen und es an die moderne Welt weiterzugeben. Und alles was ich jetzt sage, was ich jetzt weitergebe, hat einen großen Einfluss. wie die jüngere Generation sich gegenüber Mutter Erde verhalten wird.

Das wollte ich mit euch teilen. Mögen diese Worte leben mit euch in euren Herzen, und in den Herzen der jüngeren Generationen. Wenn du dich wie eine gute Brücke fühlst, sei es und bereite dich vor, fest in beiden Enden der Brücke verwurzelt zu sein. Und wenn du dich an dem einen oder anderen Ende fühlst, dann lehre die Brücken, wie die Ältesten es mit uns getan haben, so dass wir in die Welt gehen können um es zu tun. Aho, hey hey.

 

Oona:

Eine Brücke zu sein ist wirklich herausfordernd und gleichzeitig schön. Und es braucht eine große Stärke, viel Vorbereitung, ständige Anpassung der Ausrichtung und ständiges Lernen. Danke, dass du uns daran erinnert hast.

 

Was wir tun können: Zeugnis ablegen und aktiv zuhören

Oona:

Wir kommen zum Ende unserer gemeinsamen Zeit hier. Danke allen, die sich hier eingewählt haben, und mit uns dabei waren. Es sind immer noch 111 in Zoom.

 

Esteban:

Noch zwei Worte von mir. Wenn sie mich fragen würden, wie würdest du beginnen, was kannst du tun? Da habe ich die zwei Worte gefunden, die mir wirklich helfen. Ihr könnt die Worte zu dem nehmen, was Anthar gesagt hat. Eins ist „Zeugnis ablegen“ (bearing witness). Das andere „Aktives Zuhören“ (active listening). Wenn wir beides mehr praktizieren, wird es uns automatisch dahin bringen, wie wir bessere Brücken oder als Einzelmenschen, Familien oder Gemeinschaften werden können.

 

Oona:

Danke, das ist schön. Wir haben hier viele Fragen.

Ich möchte dazu noch eine kurze Geschichte teilen, als ich mit dem Mamo zusammen war. Ich hatte eine Heilsitzung mit ihm, und weiteren vier Mamos, die da waren. Wir waren eine kleine Gruppe von drei Personen, die um Heilung gebeten hatten. Sie gaben uns zwei kleine Stückchen Baumwolle in unsere Hände. Wir saßen in Meditation und haben um Vergebung gebeten, durch alle Zeiten, in denen wir schlechte Gedanken über Wasser hatten. So etwas wie „oh mein Gott es regnet“, „Das Wasser ist zu kalt“ oder „ich bin durstig, wo ist das Wasser?“. Alle negativen Gedanken, die wir über Wasser hatten, haben wir in die Baumwolle gegeben, um danach eine Gabe zu machen. In diesem Geist haben wir ein bisschen darüber gesprochen, was wir individuell tun sollten. Wie der Mama vorhin gesagt hat, zuerst uns selbst im Inneren ins Gleichgewicht bringen und die Gedanken in eine Richtung bringen. Man kann die Fragen so zusammenfassen, welche Hausaufgaben können wir tun? Welche Zeremonien oder Rituale durchführen?

 

Mama Senchina:

Leider ist es nicht so einfach. Es braucht eine direkte Übertragung, ein direkte Begegnung um eine Anleitung zu bekommen, ABER, das wichtigste, was du tun kannst, ist alleine in der Natur zu sitzen. Für zwölf Tage setze dich täglich an den gleichen Platz in der Natur, um Zeugnis abzulegen und aktiv zuzuhören, du selbst, deine inneren und äußere Natur, dann wird es sich vertiefen. Es ist eine Art Beichte, mit dem Ziel Dinge loszulassen, die du nicht tragen möchtest. Dieser Teil muss passieren zwischen dir und Mutter Erde.

 

Oona:

Vielen Dank. Vielleicht können wir mit einem Lied schließen, dass wir mehr Dinge ins Leben singen hier in unserer Seele und allen Teilen der Welt.

 

Mama Senchina singt [2:42:15]