Ich habe oft Probleme mit dem Wort “Umweltschutz”. Was soll damit gemeint sein? Irgendetwas ist an dem Wort doch komisch…geht dir das auch so?

Was ist Umweltschutz im allgemeinen Sprachgebrauch: Die Wale sollen geschützt werden. Ok, kann ich nachvollziehen, bin ich dabei. Der Orang-Utan soll geschützt werden. Natürlich, der auch. Die Wildkatze soll geschützt werden. Ja, die ist ja vom Aussterben bedroht gewesen. Großtrappen, Kammmolche, Gelbbauchunken oder Wachtelkönige sollen geschützt werden. Hab ich nicht gesehen, kenne ich nicht, aber sie sind selten und verhindern so Bauprojekte. – Moment, Bauprojekte gehören nicht zur Umwelt…?

Dann soll ich die Umwelt schützen indem ich keinen Müll in ihr verteile. Das ist doch selbstverständlich, finde ich. Gut, ich sehe das es andere nicht so sehen und die Umwelt mit Müll verschmutzt wird. Und die Luft wird ja auch verschmutzt von mir, von den Menschen, von der Industrie. Die Luft gehört auch zur Umwelt. Und das Wasser. Also alles was um mich herum ist. Ach nee, das Auto gehört ja nicht zu Umwelt und muss nicht geschützt werden. Das ist Privateigentum, und darf gekauft, gepflegt und weggeworfen werden. Ach nee, einfach so weggeworfen nicht, dann kommt es ja wieder in die Umwelt. Also raus mit dem Auto aus der Umwelt und rein in den Recyclinghof. Und das was während der Fahrtzeit aus dem Auspuff kommt, darf auch nicht in die Umwelt. Sondern soll im Katalysator bleiben. Spätestens da kriege ich einen Knoten im Hirn.

Dieses Spiel können wir unendlich weiter spinnen. Diese Denkweise bestimmt in vielen Bereichen unsere westliche Realität. Aus schamanischer Sicht oder aus Sicht der Alten Kulturen (oder vielleicht auch nur aus Logik?) gibt es einen großen Denkfehler im “Umweltschutz”: Wir sehen uns nicht als Teil der Natur. Das ist für die Alten Kulturen eine Selbstverständlichkeit. Der Mensch, also ich, bin Teil der Natur, der Erde, des Kosmos und mit allem verbunden. Alles was ich tue hat eine Rückkopplung auf mich. Tue ich Gift ins Wasser, kommt das Gift irgendwann in meinen Körper, weil ich aus rund 70 % Wasser bestehe und Wasser trinke. Was wir verlernt haben, ist diese einfachen Gleichungen zu verinnerlichen.

Neulich war ein Werbepäckchen in meinem Briefkasten. Da stand drauf “ätzend, nicht auf die Haut oder in die Augen kommen lassen” – “Tun Sie es direkt in Ihre Waschmaschine”. Es war ein Waschmittelpröbchen. Da ich nicht möchte, dass diese ätzende Substanz, die Menschen schadet, durch die Waschmaschine in die Umwelt gelangt, habe ich sie zum Sondermüll in den Recyclinghof gegeben. Vielleicht gelangt das Pröbchen dort nicht in die Umwelt.

Liebe zur Mutter Erde statt Umweltschutz
Ich habe noch nie einen Vertreter der Alten Kulturen über “Umweltschutz” reden hören. Die, die ich kenne, reden über die Liebe zur Mutter Erde, dass alles miteinander verbunden ist, und das wir Teil der Erde sind. Und das alles im Universum und auf der Erde lebendig ist. Das Wasser, die Luft, die Pflanzen, die Tiere und die Steine. So wie wir lebendig sind. Die Alten Kulturen pflegen die Lebendigkeit, nicht nur die Lebendigkeit in uns, sondern auch die Lebendigkeit in ihrer “Umwelt”. Alles ist im Austausch miteinander. Pflege ich meine Lebendigkeit, so wird es auch um mich herum lebendig. Gebe ich Liebe zu einem anderen Menschen oder in die Natur, vergrößert sich die Liebe, und die Liebe kommt zu mir zurück.

Aus dem Wissen um die Verbundenheit wächst auch der Respekt und die Freude an der Natur, an dem Lebendigen. Ich respektiere jede Pflanze und jedes Tier. Nicht nur den Orang-Utan, den Wal, die Wildkatze und den Kammmolch. Alle Tiere. Ich freue mich am Lebendigen, den Blumen, den Bäumen, den Wiesen. Und finde selbst meinen Platz in diesem großen Ganzen in Respekt. Ich nehme oder zerstöre nichts, ohne einen Ausgleich dafür zu geben. Ich pflücke eine Blume und bedanke mich. Ich baue eine Straße und schaffe Ausgleichsflächen. Ich kaufe ein Smartphone und spüre all die Schritte, die dazu geführt haben, dass es dieses Smartphone gibt. Denn ich bin verbunden mit allen den Menschen, die daran mitgewirkt haben und all den Steinen, die dafür umgedreht wurden. Die Alten Kulturen sagen nicht, geht zurück in die Steinzeit ohne materielle Dinge. Sie sagen, seid im Gleichgewicht von Geben und Nehmen.

Höre Mutter Erde zu – sie verändert sich und wir mit ihr
Und die Alten Kulturen sagen noch etwas: Höre Mutter Erde zu. Wenn wir Westler, die etwas Gutes für die Erde tun wollen, fragen, was wir denn konkret tun sollen, kommt oft die Antwort: Frag Mutter Erde. Denn sie weiß zurzeit am besten, was sie braucht. Ich habe noch nie einen Vertreter der alten Kulturen gehört, dem Mutter Erde gesagt hat, nimm Geld für CO2, damit weniger CO2 in die Umwelt kommt. Die Antwort von Mutter Erde ist meist, dass sie selbst in einer Veränderung ist und wir uns mit ihr verändern. Ein neues Bewusstsein entsteht auf der Erde und wir dürfen dieses neue Bewusstsein annehmen. In diesem neuen Bewusstsein werden wir uns wieder an die kosmischen Gesetze erinnern, wie zum Beispiel das Gesetz vom Geben und Nehmen und die Verbundenheit mit allem. Viele Kinder sollen dieses Bewusstsein schon haben.

Damit wir zuhören können, müssen wir uns natürlich dafür Zeit nehmen, runterkommen und in die Stille gehen. Das ist die heutige Aufgabe um zu verstehen, was wichtig ist. Die Antworten sind in uns und in der Natur. Lernen wir zu lauschen.